UNSERE LEHRER

Zu Gast: Olivia Klug

Bähm! Olivia knallt. In jeder Hinsicht. Ihre Welt ist kunterbunt. Ihr lustiges, meist lachendes Gesicht und ihre Energie bleiben sofort in Erinnerung. Doch zuerst ist mir die Yogakleidung aufgefallen, die sie entwirft:

Das YogaKraftwerk steht regelmäßig Kopf. Umkehrhaltungen sind ein fester Bestandteil meiner Sequenzen, ob im Tuch, im Seil oder am Boden. Daher weiß ich nur zu gut, dass einem bei diesem Perspektivwechsel alles entgegenfallen kann. Mich nervt Yogakleidung, die den Bauch frei legt, weil sie mir über den Kopf rutscht, wenn ich darauf stehe. Und vor knapp drei Jahren sah ich in einer Yogazeitschrift eine tolle Lösung für dieses Problem: das Yogatube. Es sitzt wie ein eng anliegender Rock mit einer sehr hohen Taille über oder unter dem T-Shirt und hält nicht nur die Kleidung zusammen… Ein Figurschmeichler, der sich super trägt und den es auch noch in ausgesucht schönen Farben und Mustern zu kaufen gibt.

Ich habe mir damals sofort ein Tube bei der Firma bestellt, die in der Zeitschrift vorgestellt wurde. Bei yogalivia. Die Inhaberin ist Olivia Klug. Das war unser erster Kontakt.

FeetUp auf unserer Yogaterrasse

Wenig später habe ich Olivia auf der YogaWorld persönlich kennengelernt und bei ihr auch für meine Yoga-Boutique eingekauft. Doch Olivia produziert nicht nur Yogakleidung, sie unterrichtet auch selbst. Unter anderem Yoga mit dem FeetUp-Stuhl. Und mit einem ganzen VW-Bus voller Kopfstand-Stühle (und Yogatubes, bunter Leggings und Jumpsuits) war sie nun zu Gast im YogaKraftwerk. Als Gastlehrerin und für einen eigenen kleinen Yoga-Kurzurlaub.

Wir haben ein paar Parallelen. Vielleicht verstehen wir uns deshalb so gut. Wir sind beide 46 Jahre und haben uns beide vor drei, vier Jahren beruflich noch einmal völlig neu aufgestellt. Olivia hatte mehr als 20 Jahre eine eigene Werbeagentur. Beruflich erfolgreich, zwei lebhafte Kinder, ein großer Hof mit Garten in Niederbayern, auf dem sie mit ihrer Familie lebt und wo ihr Mann Thomas seine eigene Firma betreibt, dazu Yoga und viel Sport zum Ausgleich – alles toll, aber kaum unter einen Hut zu kriegen. Ein Organisationstalent wie Olivia schafft es trotzdem, auf Dauer vielleicht nicht ohne Folgen.

Die Kehrtwende

„Mir hat eines Tages eine Freundin an den Kopf geknallt, was ich für ein schrecklicher Mensch bin. Sie hat ihren ganzen eigenen Frust an mir ausgelassen und mich total runtergemacht. Vieles von dem, was sie mir vorgeworfen hat, war Unsinn. Sie brauchte einfach nur ein Ventil. Aber es war auch das eine oder andere richtig an dem, was sie gesagt hat. Und das hat mich in den Grundfesten meiner Selbstwahrnehmung erschüttert.“ Die beiden sind seither keine Freundinnen mehr. Dieses Gewitter hat Olivia allerdings zum Nachdenken gebracht. Ebenso wie der frühe Tod ihrer Mutter mit Anfang 60 durch einen Herzinfarkt. Olivia hat sich daher eine Auszeit genommen und zehn Tage in Österreich gefastet und sich sortiert. Als sie von dieser Reise zurückkam, hat sie ihrem Partner in der Agentur gesagt, dass sie aufhört.

Wenig später wurde von ihr yogalivia gegründet. Die erste Kollektion hatte sie bereits entworfen, als sie ihren Kindern mal beim Malen Gesellschaft geleistet hat. „Ich hatte mich schon länger darüber geärgert, dass es für mich nicht die richtigen Yogaklamotten zu kaufen gab. Mir war alles zu trist und zu farblos. Schon 2011 bei meinem ersten Yoga-Retreat hab ich erste eigene Entwürfe in mein Tagebuch gezeichnet.“ Ihr Mann war von dem Ergebnis begeistert und hat sie ermuntert. Und so hat sich Olivia eine Schnittmacherin gesucht und ihre gezeichneten Modelle zum Leben erweckt.

Bewegungsfreudig

Inzwischen hat sie ein Gewölbe auf ihrem Vierseithof zum Yogaraum ausgebaut und gibt dort regelmäßig Kurse. Die Yogalehrer-Ausbildung war eine logische Konsequenz, denn alles, was Olivia macht, macht sie gleich richtig. Jeden Sport, den sie betrieben hat (Ballett, Kunstturnen, Rhönrad, Voltigieren, Reiten, Flamenco, Stepptanz, Laufen, Rollschuhfahren, Eiskunstlaufen!), hat sie richtig in Kursen erlernt. „Ich habe mich schon immer gern und viel bewegt. Ich bringe meinen Körper gern zum Schwitzen. Es ist mir völlig wurscht, ob ich dann Schweißflecken habe oder die Schminke verschmiert. Ich mag mich einfach gern fordern. Ich bringe meinen Körper gern an Grenzen. Sport pushed mich allerdings noch mehr. Yoga nicht. Yoga bringt mich runter. Ich bin jemand, der nicht stillsitzen und meditieren kann, aber beim Yoga komme ich in einen meditativen Flow, der mich ruhig werden lässt.“

Eine neue eigene Firma, eigene Yogakurse, die Mitarbeit in der Firma ihres Mannes, natürlich immer noch die Kinder und der Hof – Olivia ist heute an einen Punkt angelangt, an dem es fast schon wieder zu viel wird. Aber sie ist sich jetzt dessen eher bewusst und übt sich in Achtsamkeit. Wie bei ihrer kleinen Auszeit im YogaKraftwerk, bei der sie sich auch einen Wunsch erfüllt und endlich mal Aerial Yoga ausprobiert hat. Genau ihr Ding. Natürlich.

Olivias Welt ist bunt. Das war sie schon immer. Mit yogalivia ist sie es erst recht. Ich wünsche mir schon seit langem von ihr ein schwarzes Yogatube zu meinen vielen bunten Leggings, aber das verweigert sie mir schlicht. Sie will keine schwarzen Sachen produzieren. Punkt.

Eure Nici

About The Author

Nici

Silvester 2006 habe ich mir Punkt Mitternacht beim Feuerwerk eine Zigarette angezündet und bekam prompt einen Asthmaanfall. So wurde ich zum Nichtraucher - ich hatte ohnehin keinen Bock mehr drauf, zunehmend zum Rauchen vor die Tür geschickt zu werden. Um durchzuhalten und mich abzulenken (und nicht zuzunehmen), begann ich mit Sport und Bewegung. Ich habe viel ausprobiert, aber Yoga hat mich von Anfang an gepackt und nicht wieder losgelassen. Inzwischen bin ich zertifizierte Iyengar Yoga Lehrerin, habe meine Arbeit als TV-Producerin an den Nagel gehängt und ein eigenes Yogastudio eröffnet. Das YogaKraftwerk. Mein ganzer Stolz.

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