FAVORITENLISTE

Meine Top 5 Yoga-Bücher

Zunächst möchte ich mal dazu kommen, welches Buch bei mir definitiv nicht in diese Liste gehört: die „Autobiographie eines Yogi“ von Paramahansa Yogananda. Dieser Klassiker der spirituellen Yogaliteratur von 1946 wurde weltweit millionenfach verkauft. Dazu habe ich auch meinen Beitrag geleistet: Ich habe das Buch insgesamt dreimal gekauft. Das erste Mal aus purer Neugierde. Ich lese normalerweise jedes Buch zu Ende, aber hier bin ich nicht über das erste Drittel hinausgekommen. Ich habe es wieder verkauft. Aber damit war es nicht aus meiner Welt verschwunden. Empfehlungen, Rezensionen, Interviews mit Yogaübenden – die Bedeutung dieser Autobiographie wird immer wieder hervorgehoben. Und so habe ich es mir ein zweites Mal gekauft. Es steht immer noch in meinem Regal. Wie neu. Total unbenutzt. Sogar für Steve Jobs war es das wichtigste Buch seines Lebens. Er hat es einmal im Jahr durchgelesen! Es war das einzige Buch, das er sich auf seinem iPad heruntergeladen und so immer bei sich hatte. Ich würde gern wissen, warum, und habe es mir deshalb ein drittes Mal gekauft. Diesmal als Hörbuch, gelesen von Robert Atzorn. Ich dachte, ich kriege es endlich durch, wenn ich es beim Joggen höre. Andere Bücher und Podcasts haben mir das Joggen erleichtert. Sie haben mich so gefesselt, dass das Laufen von ganz alleine ging. Manchmal bin ich nur gelaufen, um das Hörbuch weiter zu hören. Bei der „Autobiographie eines Yogi“ war das Gegenteil der Fall. Ich habe etwa die Hälfte des Hörbuches geschafft. Jeder Lauf hat mich seither doppelt Überwindung gekostet. Inzwischen war ich schon seit Wochen nicht mehr joggen. Ich glaube, ich werde dieses Buch nie zu Ende lesen. Damit möchte ich die Bedeutung dieses Werkes gar nicht schmälern. Es ist einfach nicht meins.

Yoga ist immer auch spirituell. Ich bin mit der Yogaphilosophie vertraut, aber meine Leidenschaft ist die 3. Stufe des Yogapfades: die Asana-Praxis. „Meditation in Action“, wie BKS Iyengar sie bezeichnet hat. Das trifft es für mich auf den Punkt. Und so konzentrieren sich auch meine Top 5 an Yogaliteratur vor allem auf die diversen Yogahaltungen, ihre Ausrichtung und ihre Wirkung.

1. BKS Iyengar „Licht auf Yoga“

„Licht auf Yoga“ ist mein allerwichtigstes Nachschlagewerk, mein bestes Übungsbuch, meine allererste Empfehlung, wenn mich jemand nach Yogabüchern fragt. Ich habe sogar zwei Exemplare davon. Eins im Studio und eins zu Hause. Beide hab ich fast täglich in der Hand. Die Ausgabe im Studio ist schon total zerfleddert, voller Lesezeichen und Notizen. „Licht auf Yoga“ war rein zufällig mein allererstes Yogabuch. Ich habe wegen dieses Buches und unter Anleitung dieses Buches angefangen Yoga zu üben. Yogakurse, Videos, etc. kamen erst später. Noch heute übe ich meist mit einer schriftlichen Sequenz neben der Matte oder einer Idee im Kopf, wenn ich alleine praktiziere, so gut wie nie nach einem Video.

BKS Iyengar hat „Licht auf Yoga“ 1966 geschrieben. Es war sein erstes Buch und doch symbolisiert es für mich gleichzeitig sein Lebenswerk. Iyengar hat die Asanas kategorisiert und katalogisiert. Er hat jede einzelne Haltung in unglaublich vielen Übungsstunden studiert, die richtige Ausrichtung erspürt und präzise Worte dafür gefunden, um andere genauso extakt in die Asana zu bringen. Ich habe viele ganz unterschiedliche Yoga-Bücher (Bücher und Yogahosen sind meine Schwäche, da finde ich keinerlei Maß…), doch in keinem anderen Buch sind die Asanas so faszinierend exakt ausgeführt. Damals war er 47 Jahre alt – und hatte selbst noch lange nicht ausgelernt. Es gibt Fotos und Videos von ihm aus viel späteren Jahren, auf denen er sogar noch besser ausgerichtet ist. In einem Alter, in dem die meisten anderen froh sind, wenn ihnen nichts wehtut.

„Licht auf Yoga“ beginnt mit einer kurzen Einführung in die Yogaphilosophie und stellt dann 200 Asanas in Wort und Bild vor: mit Sanskrit-Namen, der Übersetzung, dem Weg in die Haltung und der jeweiligen Wirkung. Hinzu kommen ein Kapitel über die Pranayama-Praxis und im Anhang eine lange Reihe von Sequenzen für Anfänger, Übende und Fortgeschrittene sowie gegen diverse Beschwerden.

2. Geeta Iyengar „Yoga für die Frau“

Geeta ist BKS Iyengars älteste Tochter und sie war in seinen Augen der vielleicht einzige Mensch, der seine Art zu praktizieren vollkommen verinnerlicht hatte. Dennoch hat sie den Iyengar Yoga auf ihre ganz eigene Art geprägt: Geeta Iyengar hatte einen Doktortitel in Ayurveda und ergänzte die Asanapraxis um dieses Wissen. Vor allem hinsichtlich der Frauengesundheit. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich 2018 die Möglichkeit hatte, sie selbst und ihre berühmte Women’s Class in Pune mehrmals mitzuerleben. Jeden Mittwoch und Samstag hat sie 2 Stunden am Vormittag Schüler aus aller Welt unterrichtet und dabei auf zyklusgerechtes Üben geachtet – übrigens keine reine Frauenklassen. Die Männer waren wie alle Teilnehmer meist selbst Yogalehrer, die dieses Wissen an ihre Schülerinnen weitergegeben haben. Die Women’s Class gibt es immer noch und wird immer an Geeta erinnern, die Ende 2018 verstarb.

„Yoga für die Frau“ hat sie 1983 geschrieben. Neben yogaphilosophischen Einblicken und der Beschreibung und Anleitung von vielen Asanas, geht sie vor allem auf die gesundheitlichen Aspekte und die „3 Meilensteine“ im Leben einer Frau ein: Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre. Die Haltungen sind in Gruppen (Vorwärtsbeugen, Rückwärtsbeugen,…) zusammengefasst und das Buch ist gespickt mit Sequenzen, um die Asanas systematisch zu erlernen und um die besonderen Zeiten im Leben einer Frau durch die Yogapraxis zu unterstützen.

3. BKS Iyengar „Yoga for Sports“

Ja, die Liste ist ein bisschen Iyengar-lastig, Iyengar Yoga hat mich in meiner Yogapraxis einfach am meisten geprägt. „Yoga for Sports“ ist das letzte Buch von BKS Iyengar. Es wurde 2015 posthum veröffentlicht.

Es ist nicht nur ein besonders schön aufgemachtes Werk, es zeigt auch, wie sehr die Asanapraxis Hobby- und Profisportlern helfen kann. Iyengar hat mit vielen Sportlern – insbesondere aus der Cricketszene, dem indischen Nationalsport – gearbeitet. Das Buch ist voller Sequenzen, mit denen man Kraft, Geschwindigkeit oder Beweglichkeit in bestimmten Bereichen, aber auch die Konzentration vor Wettbewerben verbessern kann oder die zur schnelleren Regeneration danach beitragen. Für manche Übungsserien braucht man ein gut ausgestattetes Iyengar Yogastudio mit all seinen Hilfsmitteln oder zumindest genug Erfahrung, um entsprechende Alternativen zu finden. Andere kann man direkt vor dem Match auf dem Sportplatz ausüben. Es gibt sogar Asanareihen, die die Sportler im Teambus auf dem Weg zum Veranstaltungsort üben können oder die eine schnelle Anpassung an Klima- und Zeitzonenwechsel ermöglichen.

4. Judith Lasater „30 Essential Poses“

Die Amerikanerin Judith Lasater war einst Schülerin von BKS und Geeta Iyengar und hat sich dann auf ihren eigenen Yogaweg, besonders die therapeutischen Aspekte des Yoga, konzentriert. Dieses Buch ist für Yogalehrer und -schüler und auch für Anfänger geeignet. Sie beschreibt darin 30 wichtige Yogahaltungen und mögliche Variationen und betont dabei die notwendigen Ausrichtungspunkte. Die 30 Asanas hat sie im hinteren Teil des Buches zu Foto-Sequenzen mit verschiedenen Schwerpunkten und darüber hinaus sieben Sequenzen für eine ganze Übungswoche zusammengestellt.

5. Dona Holleman „Dancing the Flame of Life“

Auch Dona Holleman ist eine direkte Schülerin von BKS Iyengar. Sie hat in den 60ern ganze Jahre mit ihm verbracht, später in Holland, England, Amerika und Italien unterrichtet und auf dieser Basis und aus ihrer eigenen intensiven Yogapraxis heraus ihren eigenen Stil „Centered Yoga“ entwickelt. Ihre acht Prinzipien der Übungspraxis für die anatomische Ausrichtung und Öffnung des Körpers in den Haltungen stellt sie in mehreren Büchern vor, unter anderen in diesem. In „Dancing the Flame of Life“ beschreibt sie eine Vielzahl von einfachen bis sehr fortgeschrittenen Asanas, sortiert in Gruppen. Und sie verrät uns auch ihre Vorstellung von einem guten Lehrer: Er hat – und das Wort entlehnt sie tatsächlich dem Deutschen – Schwung! Ein Lehrer mit Schwung kann in seinen Schülern den nötigen Enthusiasmus hervorrufen, um sich in seiner Praxis weiterzuentwickeln.

Dona Holleman hat vier bis fünf Stunden täglich geübt! Ihr dennoch unverklärter Blick auf den Yoga ist erfrischend: Du wirst kein besserer Mensch, nur weil du Yoga übst. Yoga kann für die Entwicklung eines Menschen genauso wichtig sein wie Radfahren oder Reiten – auch eine ihrer Leidenschaften. Du veränderst dich immer nur von innen, weil du etwas erreichen willst. Nicht, weil du plötzlich Yoga übst.

Nach 40 Jahren intensiver Yogapraxis hat Dona Holleman damit komplett aufgehört und sich vor allem dem Reiten gewidmet. 40 Jahre Yoga waren ihr genug.

Meine Bücher – deine Bücher

Meine Top 5 sind natürlich subjektiv, alles andere wäre vermessen. Sie entsprechen meinem Interesse und ich nehme sie gern und oft zur Hand. Aber ich freue mich auch immer über Empfehlungen von anderen. Welche Bücher haben dich geprägt und inspiriert? Welche Top 5 stehen auf deiner Favoritenliste? Welches ist dein liebstes Yoga-Buch? Und vor allem: Warum?

WAS YOGA KANN

Yoga in Zeiten von Corona

Die großen, schönen Räume im YogaKraftwerk sind nicht dafür gemacht, leer zu stehen. Ich friere zur Zeit oft im Studio, obwohl es eigentlich warm genug ist. Es fehlen einfach die Schüler. Kein Leben in der Bude. Corona und die Maßnahmen, die das Virus nach sich zieht, haben alles verändert. 2020 war das YogaKraftwerk 4 1/2 Monate lahmgelegt. Jetzt haben wir 2021 und es ist immer noch zu. Ich kämpfe in erster Linie gegen die Hilflosigkeit, Lethargie und Schwere, die die Corona-Maßnahmen wiederum nach sich ziehen. Mit Yoga.

Mein Yoga-Unterricht

Seit Ende März gebe ich regelmäßig Yogaklassen online über Zoom, wann immer das Studio geschlossen bleiben muss. Das war zunächst mal ein großer Lernprozess und eine Investition: Das technische Equipment, eine stabile Internetverbindung, die Umstellung auf Online-Buchung. Ausprobieren, verwerfen, neu testen, verbessern – sowie die Freude darüber, wenn es endlich reibungslos klappt. Und auch als neues Angebot angenommen wird.

Ich bin computertechnisch kein Überflieger, aber ich beiße mich durch Probleme durch und bin vor allem im letzten Frühjahr dafür täglich über meinen Schatten gesprungen. So wie einige meiner Schüler auch. Sich für eine Online-Klasse anzumelden und an ihr teilzunehmen ist an sich nicht schwer, aber nicht jeder sitzt regelmäßig vor einem Rechner. Manche meiner Schüler haben sich nur meinetwegen mit der Technik auseinandergesetzt, um weiterhin mit mir als ihrer vertrauten Lehrerin Yoga üben zu können. Diese Treue berührt mich sehr. Gleichzeitig haben sie etwas dazugelernt und sich ebenfalls weiterentwickelt.

Du kannst dich aus mehreren Gründen dem technischen Fortschritt verschließen:

  • Weil du es dir schlicht nicht leisten kannst.
  • Weil du Computer, Internet, Online-Interaktionen, Social Media, Tracking oder Streaming aller Art bewusst nicht nutzen möchtest, um zum Beispiel all den Versuchungen und Berieselungen aus dem Weg zu gehen.

Gegen diese Punkte kann man gar nichts sagen. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, und den sehe ich differenzierter:

  • Weil du zu bequem bist, dich auf etwas Neues einzulassen. Oder:
  • Weil du Angst davor hast.

In dem Fall grenzt du dich selbst aus und das ist schade. Das Alter ist keine Ausrede. Niemand weiß genau, wie lange er noch leben wird. Die Welt dreht sich währenddessen weiter. Die neuen Entwicklungen von heute sind die Selbstverständlichkeiten von morgen. Du musst nicht jedem Trend hinterher rennen, aber lass dich nicht abhängen. Wenn du deshalb auf etwas verzichten musst, das dir gut tut, machst du etwas falsch.

Meine virtuelle Yoga-Community hilft mir auf jeden Fall sehr durch diese Zeit der Distanz, Abstandsregeln und Maskenpflicht. Jede Live-Klasse über Zoom macht mich glücklich. Wer mit mir online Yoga praktiziert, ist mir immer noch sehr nah. Neben meinen regulären Schülern können jetzt auch meine Mama, mein Bruder oder meine Freundin aus Studienzeiten teilnehmen, die für regelmäßige Studiobesuche viel zu weit weg wohnen.

Das Unterrichten selbst ist auch etwas anders als Präsenz-Unterricht im Studio:

  • Die Hilfsmittel sind reduzierter. Klötze, Gurt und Decken setze ich voraus. Aber mehr nicht. Damit muss alles möglich sein, was ich anleite.
  • Umkehrhaltungen wie Kopfstand oder Schulterstand unterrichte ich nur in der Klasse für Fortgeschrittene. Das bringe ich niemandem über den Monitor bei.
  • Und die Ansagen für die einzelnen Asanas müssen noch präziser sein als im Studio, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.

Meine Yoga-Weiterbildung

Damit ich nicht immer nur in meiner eigenen Suppe schwimme, nehme ich regelmäßig an Fortbildungen teil. Als Iyengar Yogalehrerin bin ich dazu sogar verpflichtet. 2020 ist unsere jährliche deutsche Iyengar Yoga Convention – wie so vieles – wegen Corona ausgefallen. Das war unglaublich schade. Aber der Lockdown trifft nicht nur Deutschland.

Weltweit haben Yogalehrer auf Online-Unterricht umgestellt. Das hat viele großartige Möglichkeiten geschaffen. Ich nehme jetzt an Online-Events von Mitgliedern der Iyengar-Familie oder langjährigen Schülern von ihnen teil, für die ich unter anderen Umständen weit reisen müsste. Über die sozialen Medien tauschen wir uns mehr denn je weltweit aus. Teilen die gleichen Probleme und Herausforderungen, lernen voneinander und inspirieren uns gegenseitig.

Meine Yoga-Praxis

Tag für Tag bin ich dankbar dafür, dass ich Yoga – und Ayurveda – gut genug beherrsche, um damit jeden irritierenden Gemütszustand auszugleichen. Das Üben energetisiert mich wieder, wenn mich die Nachrichten heruntergezogen haben. Es erdet mich, wenn ich das Gefühl habe, dass mir alles entgleitet. Und es macht meinen Kopf klar, wenn ich neue Ideen entwickle. Die Zeit, die ich mir für meine tägliche Yogapraxis nehme, wirkt sich immer positiv auf den Rest vom Tag und die anderen Projekte aus.

Ich habe während des Lockdowns mehr Zeit. Auch wenn ich online unterrichte und viel daran arbeite, dass mein Studio nicht in Vergessenheit gerät, sind es dennoch nicht so viele verplante Stunden wie vor Corona. Ich übe daher auch mehr, allerdings mit weniger Ehrgeiz. Viel basic stuff: Klassische Grundhaltungen, Pranayama, … Es erstaunt mich immer wieder, wie beruhigend sich das lange Halten von Asanas auswirkt. Nach einer Sequenz wie den „5 unerlässlichen Haltungen“ kann mich nichts mehr erschüttern.

Ich möchte gar nicht politisch werden, aber ich würde mir von der Politik und den Medien wünschen, dass sie mehr Zuversicht, Motivation, Inspiration und Zusammenhalt vermitteln in dieser Zeit. Wenn ich morgens als erstes die Hiobsbotschaften von neuen Rekordzahlen an Neuinfektionen höre oder dass die nächsten Wochen noch härter werden, möchte ich am liebsten im Bett bleiben und mir die Decke über den Kopf ziehen. Die Kommunikation ist lähmend, drohend, spaltend oder beängstigend. Das will ich nicht. Das bremst mich mehr als das Virus selbst.

Ich habe wegen der Studioschließung Staatshilfen bekommen, aber viel lieber will ich soviel arbeiten, dass ich darauf gar nicht angewiesen bin. Selbst wenn es ausschließlich online ist. Ich möchte meine Schüler weiterhin bei ihrer Yogapraxis unterstützen, dazu beitragen, dass sich die Leute bewegen, beweglich werden, gesund bleiben und ihr Immunsystem stärken. Yoga kann nicht jede Krankheit verhindern, aber den Umgang damit beeinflussen, wenn es einen erwischt. Und: Wenn wir dafür sorgen, dass wir selber fit bleiben, können wir uns auch besser um andere kümmern. Ist das heute nicht wichtiger denn je?

VORSÄTZE

Fokus im Januar: Ziele in der Yogapraxis

Am Neujahrstag unterrichte und übe ich – inzwischen schon traditionell – die 108 Sonnengrüße. Normalerweise natürlich im YogaKraftwerk. Heute online über Zoom, denn wir sind immer noch im Lockdown. Es war die erste Challenge im neuen Jahr – und wir haben sie alle geschafft. Einige der 20 Teilnehmer waren auch schon in den vergangenen Jahren dabei.

Es ist ein toller Start: Das Herz-Kreislauf-System wird angeregt, du kommst in Bewegung, schwitzt deinen Ballast aus und fühlst dich anschließend für alle Herausforderungen gewappnet. Du kannst den Sonnengrüßen sogar noch mehr Bedeutung geben. Moni, zum Beispiel, widmet ihre Sonnengrüße jedes Jahr wichtigen Menschen in ihrem Leben. Ein paar Sonnengrüße für diesen, ein paar für den nächsten, … Wie schön! Oder du richtest die gesamte Energie der Challenge auf deinen größten Vorsatz im neuen Jahr. Oder auf eine Intention.

Meine Jahresintention

Ich habe für jedes Jahr eine Intention. Letztes Jahr war es „Freude“. Ich wollte mich 2020 mehr auf den Prozess als auf das Ergebnis konzentrieren. Denn obwohl ich mein YogaKraftwerk und jede Arbeit, die damit verbunden ist, liebe, vergesse ich manchmal zu genießen, was ich tue. – Und dann kam mit Corona alles anders als geplant. „Freude“ beim Lockdown zu empfinden, war manchmal eine ganz schöne Herausforderung. Aber meine Intention hat mir auch da durchgeholfen. In diesem Jahr lautet meine Intention „Leichtigkeit“. Die Einschränkung von persönlicher Freiheit und Bewegung macht träge, schwer und lethargisch. Besonders in der dunklen Jahreszeit. Dagegen möchte ich etwas tun. „Leichtigkeit“ impliziert für mich Gelassenheit, leichtes Essen, weniger Zeug, Bewegung, Jumpings – es betrifft alle möglichen Bereiche.

Brauchst du überhaupt Vorsätze, Ziele oder Intentionen? Keine Ahnung, ich schon. Mir helfen sie, mich zu fokussieren und zu strukturieren. Sie geben meinem Leben – oder eben auch meiner Yogapraxis – eine Richtung. Ohne das geht es auch mal, ist aber auf Dauer für mich unbefriedigend. Andererseits: Wenn ich mal ein Ziel nicht erreiche oder einen ganzen Tag vertrödele, dann ist das auch kein Beinbruch. Hier kommt dann eben wieder die „Leichtigkeit“ in Spiel … 🙂

Yogaziele oder Mit Yoga zum Ziel

In diesem Jahr möchte ich jedem Monat einen besonderen Fokus geben. Der Januar ist als Jahresanfang einfach prädestiniert für Ziele und Visionen. Auch in Bezug auf die Yogapraxis. Dabei geht es gar nicht darum, unbedingt Handstand, Lotussitz oder Spagat beherrschen zu wollen, wenn du dir diese Fragen stellst:

  • Was möchte ich erreichen? Hier ein paar kleine und große Beispiele:
    • Eine tägliche Übungspraxis von mindestens 15 Minuten
    • Die Teilnahme an einem wöchentlichen (Online-)Kurs
    • Täglich 10 Minuten meditieren
    • Eine Yogalehrer-Ausbildung absolvieren
    • Jeden Morgen 5 Sonnengrüße
    • Jeden Monat eine neue Pranayama-Technik lernen und täglich üben
    • Die Sanskritnamen der Asanas lernen
  • Warum möchte ich das?
    • Weil ich dann keine Rückenschmerzen habe
    • Weil ich bei einem Lehrer noch etwas Neues lernen kann
    • Weil ich mich dadurch nicht mehr so gestresst fühle
    • Weil ich auch etwas über Anatomie und die Yoga-Philosophie lernen möchte
    • Weil ich dadurch morgens am besten in Schwung komme
    • Weil ich sonst zu flach atme
    • Weil ich es einfach gern können würde

Genauso gut kann dich deine Yogapraxis bei der Umsetzung deiner anderen Ziele im Leben unterstützen. Du musst sie nur darauf anpassen. Auch hierfür ein paar Beispiele:

  • Sportler:
    • Konzentration bei Wettkämpfen verbessern
    • Bessere Laufleistung durch größere Beweglichkeit in Hüft- und Schultergelenken
    • Schnellere Regeneration nach Wettkämpfen
  • Schüler:
    • Konzentration
    • Zur Ruhe kommen
    • Bessere Körperkoordination
  • Frauen:
    • Schmerzfreie Periode
    • Geburtsvorbereitung
    • Wechseljahrsbeschwerden loswerden

Und, und, und … Es gibt viele gute Gründe, um Yoga zu üben. Wenn du weißt, warum du dich auf die Matte stellst und was du erreichen möchtest, dann bringst du auch eher die Disziplin für eine regelmäßige Yogapraxis auf.

Jetzt im Januar werde ich bei meinen Onlinestunden immer wieder Übungen einbauen, die dich dabei unterstützen dich zu fokussieren. Passend zu diesem Thema beginnt zudem am 17. Januar der nächste (Online-)Kurs „Yoga@Home“, bei dem du lernst selbstständig Yoga zu üben und sogar eigene Sequenzen zu entwickeln.

Was sind deine Ziele? Hast du welche? Warum übst du Yoga? Schreib es mir. Wenn ich weiß, was du erreichen möchtest, helfe ich dir auf dem Weg dahin.

Deine Nici

YOGA & AYURVEDA

Ayurvedisch leben – Yoga für die Doshas

Vata ausgleichen

Wenn du dich nervös oder unruhig fühlst, unkonzentriert oder völlig planlos bist, hilft eine erdende Yoga-Sequenz. Geh dabei ruhig und systematisch durch die Haltungen. Achte auf eine solide Basis, indem du die Körperteile am Boden fest verwurzelst: spreize die Zehen, strecke die Finger, öffne die Beinrückseiten, … Nimm dir Zeit für die Ausrichtung, atme dabei ruhig und gleichmäßig und bleibe lange in den Steh- und Drehhaltungen und in den Vorwärtsstreckungen. Länger als dir eigentlich lieb ist. Du wirst kräftiger und flexibler und schulst deine Ausdauer. Und du kommst zur Ruhe. Gönn dir eine lange Endentspannung.

Die gezeigte Sequenz ist ein Beispiel dafür, was du üben kannst, wenn dein Vata-Dosha überschießt:

  • Supta Baddha Konasana
  • Adho Mukha Svanasana
  • Vrksasana
  • Utthita Trikonasana
  • Utthita Parsvakonasana
  • Ardha Chandrasana
  • Marichyasana III
  • Paschimottanasana
  • Savasana

Pitta ausgleichen

Du bist Perfektionist? Ehrgeizig, zielorientiert, eine Führungspersönlichkeit? Aber manchmal auch ungeduldig, aggressiv und getrieben? Dann schießt dein feuriges Pitta-Dosha über und braucht einen Ausgleich. Bewegung ist gut – wenn sie spielerischer Natur ist, ohne Wettkampfgedanken.

Die Bewegung auf der Yogamatte kann ruhig herausfordernd sein, die Asanas sollten allerdings bei ruhiger Atmung ausgeführt und möglichst lange gehalten werden. Dann reduzieren Umkehrhaltungen, Drehungen und Vorwärtsstreckungen das Pitta-Dosha am wirksamsten. Wie bei der gezeigten Sequenz:

  • Sirsasana
  • Bharadvajasana II
  • Marichyasana III
  • Trianga Mukhaikapada Paschimottanasana
  • Janu Sirsasana
  • Paschimottanasana
  • Salamba Sarvangasana
  • Halasana
  • Savasana

Kapha ausgleichen

Du fühlst dich schwer und träge und kommst einfach nicht in die Gänge? Dir fehlt der Antrieb, aber nicht vor Erschöpfung, sondern eher aus Bequemlichkeit? Klingt nach einem Kapha-Überschuss. Und das beste Mittel dagegen ist – Bewegung!

Wenn du jetzt lange in sitzenden oder liegenden Yogahaltungen verweilst, wird es dir nur noch schwerer fallen, den Hintern hoch zu bekommen. Lange Vorbeugen erhöhen dein Kapha noch und machen dich lethargisch. Übe lieber dynamisch und mit viel Energie, um Kapha abzubauen: Umkehrhaltungen – bzw. Haltungen, die Arme, Schultern und Rumpf kräftigen, als Vorbereitung für Umkehrungen – , Rückbeugen oder eben Sonnengrüße. Dabei wird der ganze Körper gedehnt und gekräftigt und du stärkst dein Herz-Kreislauf-System. Das macht wach und bringt dich in Schwung.

Yoga für alle Elemente

Feuer, Wasser, Erde, Luft, Äther bzw. Raum sind die 5 Elemente, die nach dem Ayurveda die 3 Bioenergien Vata, Pitta und Kapha prägen, die wir alle zu ganz individuellen Anteilen in uns tragen. Der Yoga hilft uns dabei, die Doshas in Balance zu bringen. Wir können mit bestimmten Asanas gezielt ein Dosha beruhigen, das uns aus der Bahn wirft. Und wir können auch mit einer ausgewogenen Sequenz auf alle Bioenergien gleichzeitig ausgleichend einwirken, indem wir alle 5 Elemente ansprechen. Zum Beispiel mit dieser Reihe von Haltungen:

?? Hüftöffner (Wasser)

  • Baddha Konasana
  • Upavistha Konasana

?? Stehhaltungen (Erde)

  • Utthita Trikonasana
  • Ardha Chandrasana

?? Rückbeugen (Luft)

  • Dhanurasana
  • Urdhva Dhanurasana

?? Dreh- + Bauchhaltungen (Feuer)

  • Marichyasana III
  • Paripurna Navasana

?? Stille (Äther)

  • Savasana

Eine strukturierte und praxisorientierte Einführung in den Ayurveda bekommst du in meinem Kurs „Yoga & Ayurveda – Basic I“, der am 26. April wieder beginnt. Jeder Termin hat ein ayurvedisches Schwerpunktthema. Nach der Theorie und dem Erfahrungsaustausch üben wir jeweils eine thematisch passende Yogasequenz zusammen und ihr bekommt eine Hausaufgabe, um den Ayurveda zu Hause praktisch umzusetzen. Möchtest du mehr darüber erfahren? Dann schau doch mal auf meine Website www.yogakraftwerk.de.

YOGA & AYURVEDA

Ayurvedisch leben – Der Sommer

Wir tragen die 3 Bioenergien Vata, Pitta und Kapha nicht nur in uns, sie folgen auch einem jahreszeitlichen Zyklus und nehmen je nach Wetter an Intensität zu oder ab. Im Sommer – von etwa Juli bis in den Oktober hinein – herrscht das Pitta-Dosha, das feurige Element.

Im Ayurveda gilt „Gleiches verstärkt Gleiches. Gegensätze gleichen sich aus.“ Dementsprechend werden sehr Pitta geprägte Menschen in den heißen Sommermonaten noch befeuert. Das ist unter Umständen zu viel des Guten. – Während die Vata- und die Kapha-Menschen, die eher zu den Frostbeulen zählen, die warme Jahreszeit genießen.

In der Sommerzeit wird also die Pitta-Energie verstärkt. Das macht uns vor allem in der ersten Hälfte des Sommers aktiver, leistungsfähiger und unternehmungslustiger. Wir brauchen weniger Schlaf und haben ein starkes Verdauungsfeuer, sodass wir in dieser Zeit sogar Rohkost ganz gut vertragen und verarbeiten.

Je intensiver die Sonneneinstrahlung und je länger sie andauert, desto eher kann uns die Pitta-Energie auch aus dem Gleichgewicht bringen.

Typische Pitta-Dysbalancen in der heißen Jahreszeit sind:

☀️ Sonnenbrand
☀️ Hautirritationen
☀️ Sommer-Grippe
☀️ Magenbeschwerden
☀️ Reizbarkeit

Ernährung im Sommer

Wir können vor allem mit der Ernährung einen großen Einfluss auf unser überhitztes Pitta im Sommer nehmen. Mit kühlenden Speisen und Getränken. Gemeint ist die kühlende Wirkung der Nahrungsmittel, aber nicht, dass sie eiskalt sein sollen. Im Gegenteil: Nach der ayurvedischen Lehre stören kühlschrankkalte Nahrungsmittel und Eiswürfel in den Getränken unser Verdauungsfeuer und führen somit zu Verdauungsproblemen. Auch im Sommer. Wenn heiß (Wetter) und kalt (Nahrung) zusammentreffen, kann es zudem zu Hautproblemen kommen. Saure, salzige und scharfe Speisen, Zwiebeln und Knoblauch sowie Nachtschattengewächse wie Tomaten und Auberginen tragen ebenfalls dazu bei. Sie erhöhen das Pitta noch.

Ernährungsempfehlungen:

? viel trinken, aber weder eiskalt, noch heiß
? Minze, Gurke oder Kardamom ins Wasser
? grüne, frische Nahrungsmittel (grüne Blattgemüse, Gurke, Brokkoli, Zuccini, grüne Bohnen …)
? Rucola
? frische Kräuter
? süße, reife Früchte, allen voran Melone
? Kokos in allen Varianten

Yoga im Sommer

Auch mit Yogaübungen können wir ein erhitztes Gemüt beeinflussen und auf Körper und Geist ausgleichend wirken.

Bewegung – und damit auch die Asanapraxis – findet jetzt gern draußen statt. Vermeidet aber die pralle Sonne und die Mittagszeit. Auf unserer Terrasse im YogaKraftwerk ist es in den frühen Morgenstunden oder am Abend am schönsten.

Das erhöhte Pitta-Dosha schenkt uns Power und Mut. Diese Energie können wir nutzen, um uns achtsam und unter kompetenter Anleitung an einen neuen Level von Haltungen heranzuwagen. Das Pitta weckt aber auch den Ehrgeiz und die Lust sich mit anderen zu messen. Und das geht vielleicht nach hinten los: Verbissenes Üben kann zu Verletzungen führen und wirkt zudem noch zusätzlich erhitzend.

Bringt im Sommer also mehr spielerische Leichtigkeit (Vata) in eure Yogapraxis. Nehmt es nicht so ernst. Habt Spaß beim Üben und Experimentieren auf der Matte. Baut ein paar Drehhaltungen mit ein, um Verspannungen in der Körpermitte zu lösen, wo der Hauptsitz des Pitta im Körper ist. Und wenn ihr genug überschüssige Energie abgebaut habt, bringt euch mit ein paar kühlenden und erdenden Asanas (Kapha) zur Ruhe: länger gehaltende Vorbeugen, Restorative Yoga, langes Savasana…

Hier ist ein Beispiel für eine Pitta-ausgleichende Sequenz. Lasst euch Zeit dafür. Geht langsam durch die Haltungen:

??‍♂️ #suptabaddhakonasana
??‍♂️ #adhomukhavirasana
??‍♂️ #adhomukhasvanasana
??‍♂️ #uttanasana
??‍♂️ #suryanamaskar
??‍♂️ #prasaritapadottanasana
??‍♂️ #sirsasana (evt. nur einlaufen)
??‍♂️ #adhomukhavrksasana (evt. nur halber Handstand mit Füßen gegen eine Wand/Tür)
??‍♂️ #adhomukhasvanasana
??‍♂️ #salabhasana
??‍♂️ #dhanurasana
??‍♂️ #bharadvajasana1
??‍♂️ #marichyasana3
??‍♂️ #janusirsasana (lange halten)
??‍♂️ #paschimottanasana (lange halten)
??‍♂️ #setubandhasarvangasana (mit Klotz unter Kreuzbein, lange halten)
??‍♂️ langes #savasana

Pranayama im Sommer

Sitali ist eine kühlende, erfrischende Atemtechnik, die das Pitta-Dosha besänftigt, wenn es draußen sehr heiß ist.

Und so geht’s:

??‍♀️ Sitze in einer aufrechten Haltung
??‍♀️ Atme zunächst ruhig durch die Nase ein + aus
??‍♀️ Öffne den Mund, strecke die Zunge heraus + rolle die Seiten nach oben, sodass sie wie ein Strohhalm aussieht
??‍♀️ Atme durch diesen Strohhalm tief ein
??‍♀️ Schließe den Mund, senke das Kinn zur Brust + halte den Atem für 5-10 Sekunden (#jalandharabandha)
??‍♀️ Atme durch die Nase lang, tief + gleichmäßig aus
??‍♀️ Atme normal
??‍♀️ Wiederhole den Zyklus ein paar Mal
??‍♀️ Lege dich anschließend in #savasana

Körperpflege im Sommer

Der Sommer lockt nach draußen. Und auch wenn wir die pralle Mittagssonne meiden und uns durch entsprechende Kleidung und Sonnencremes schützen, können und wollen wir die starke Sonneneinstrahlung nicht völlig vermeiden und kommen oft ins Schwitzen. Damit die Haut trotzdem gut gepflegt und versorgt wird, braucht sie im Sommer besonders viel – kühlende – Feuchtigkeit und Öle.

Hautpflege im Sommer:

? Kokosöl für den Körper und zum Ölziehen
? Aloe Vera fürs Gesicht und bei Insektenstichen
? Rosenwasser als Erfrischungsspray
? Gurke und Avocado (z.B. gemischt mit Honig, Joghurt und Heilerde) für Gesichtsmasken

Ätherische Düfte im Sommer für Körper & Küche:

? Zitrone
? Grapefruit
? Limette
? Pfefferminze
? Rose
? Sandelholz
? Salbei
? Lavendel

Genieß die letzten schönen Sommertage in diesem Jahr. Bald wechseln wir in den Herbst. Die Umstellung auf die dunklere Jahreszeit ist eine ziemliche Herausforderung für den Körper. Aber auch dabei können wir ihn unterstützen. Dazu später mehr.

Ich freu mich über ein Feedback, wenn du den einen oder anderen Tipp ausprobiert hast. Funktioniert es? Hast du Fragen dazu? Hast du Themenwünsche? Lass es mich bitte wissen. Wenn ich dazu etwas beitragen kann, nehme ich es gern auf.

Mitte September beginnt mein nächster 10-wöchiger Kurs „Yoga & Ayurveda Basic I“. Weitere Infos dazu und zum Ayurveda Lifestyle Coaching findest du auf der Website. Link in der Bio. ?
Ich wünsche dir einen schönen Tag!
Deine Nici

UNSERE LEHRER

Yoga-Anatomie

Zu Gast im YogaKraftwerk: Helga Baumgartner

Warum fallen mir manche Yogahaltungen so schwer? Werde ich jemals tiefer in die eine oder andere Asana kommen? Warum kann ich die volle Kobra immer noch nicht? Und warum komme ich in Upavistha Konasana, der Libelle, nicht mit dem Bauch auf den Boden? Übe ich nicht genug? Oder bin ich ein hoffnungsloser Fall? Was hält mich auf? – Um diese Fragen kreiste Helga Baumgartners dreistündiger Anatomie-Workshop für Yogalehrer und Yogaübende. Ein unglaublich spannendes Thema, das Helga praxisnah und sehr klar aufbereitet hat. Ein paar wichtige Aspekte daraus möchte ich hiermit gern an diejenigen unter meinen Schülern weitergeben, die nicht teilnehmen konnten:

„Es muss nicht sein, dass wir jede Haltung üben können“, betonte Helga. „Es macht uns nicht glücklicher und es macht aus uns keine besseren Yogis.“ Sie verwehrt sich dagegen, Übende anhand ihrer Beweglichkeit zu unterteilen. Nur, weil jemand den Oberkörper auf den Beinen ablegen kann, ist er noch lange nicht fortgeschritten. Und jemand, der in Supta Virasana, dem Sattel, viel Unterstützung im Rücken braucht, ist deshalb kein Anfänger. Manchmal halten uns alte oder neuere Verletzungen davon ab, tiefer in eine Haltung zu kommen. Oder schlicht und einfach: der Körperbau.

Raupe / Paschimottanasana
Sattel / Supta Virasana

Helga unterscheidet zwischen funktionalem Üben und ästhetischem Üben. Wenn wir funktional üben, dann streben wir mit der Haltung ein bestimmtes Ziel an. Wir wollen zum Beispiel Kraft aufbauen oder mehr Dehnung und Weite. Bestenfalls halten wir so altersbedingte Verschleißerscheinungen auf und unseren Körper gesund. Wenn wir ästhetisch orientiert üben, soll es vor allem schön aussehen. Wie auf den Bildern oder Videos, die wir irgendwo gesehen haben. Schlimmstenfalls machen wir so unseren Körper kaputt, weil er nicht dafür gemacht ist. Weil wir uns in Haltungen pressen, die für uns eigentlich nicht möglich sind. Noch nicht. Oder gar nicht.

Ob wir unsere Hüfte so weit öffnen können, dass wir die Beine in einer Außenrotation zu einem Lotussitz verbrezeln können, hängt auch davon ab, wo unser Hüftgelenk genau sitzt. Helgas Lehrer Paul Grilley zeigt auf seiner Website, wie unterschiedlich wir gebaut sind:

Zwei gesunde Becken. Sie machen deutlich, dass zwei Menschen in der gleichen Haltung nie gleich aussehen werden. Durch unseren individuellen Knochenbau haben wir auch einen ganz individuellen Bewegungsspielraum. Allein durch den Sitz der Hüftgelenkspfanne war bei der Person links vermutlich eine deutlich bessere Rotation möglich als bei der Person rechts.

Was also tun, wenn ich in einer Haltung nicht weiterkomme? Ich spüre in mich und finde heraus, woran es liegen könnte. Wenn ich in eine Vorbeuge gehe und es zieht an den Beinrückseiten, dann ist es die Dehnspannung, die mich aufhält. Übe ich in diesem Fall regelmäßig und achtsam weiter, komme ich mit der Zeit wahrscheinlich immer tiefer. Wenn jedoch nichts zieht und ich trotzdem nicht weiterkomme, liegt es an einer Kompression. Dann stößt Gewebe an Gewebe (z.B. ein großer Bauch gegen die Oberschenkel) oder Gewebe an Knochen oder Knochen an Knochen. Hier werden meine Fortschritte in bestimmten Haltungen begrenzt bleiben. Ist das schlimm? Nein. Kann ich trotzdem üben? Aber ja!

Denn wenn mir aufgrund von Verletzungen oder Knochenbau eine Haltung Probleme bereitet, kann ich adaptieren:

  • durch die Verwendung von Hilfsmitteln
  • durch Varianten dieser Haltung (Arme, Beine, Kopf… anders platzieren; erstmal die halbe Haltung einnehmen,…)
  • in eine andere Haltung gehen, die aber die gleiche angestrebte Wirkung hat

Halber Sattel / Eka Pada Supta Virasana ist eher möglich als die volle Haltung

Anatomisches Wissen schützt uns vor Verletzungen und ermöglicht ein sinnvolles und effizientes Üben. Hilfsmittel und Variaten können die Yogapraxis dabei wunderbar bereichern.

Vielen Dank, liebe Helga, dass du dein Wissen mit uns geteilt hast!

Eure Nici

YOGA-EVENTS

Übungssequenz YogaWorld Stuttgart 2019

„Yoga & Ayurveda“ war das Thema der Klasse, die ich in diesem Jahr auf der YogaWorld Stuttgart gegeben habe.

Die beiden Schwesterndisziplinen haben den gleichen vedischen Ursprung und ergänzen sich wunderbar: Der Ayurveda sorgt für einen gesunden Körper, der Yoga für einen ruhigen Geist. Beides greift ineinander über.

Ich wünsche mir, dass meine Schüler den Yoga richtig anwenden lernen. Dass sie sich das Beste daraus ziehen für ihr Wohlbefinden. Dass sie lernen solche Asanas oder Atemtechniken für sich zu üben, die ihnen in dem jeweiligen Moment gut tun. Wer ein gutes Körpergefühl hat, macht das wahrscheinlich intuitiv. Manchmal ist man einfach zu schwach für alles, was über eine regenerative Praxis hinaus geht. Und ein anderes Mal viel zu unruhig, um minutenlang still in einer sitzenden Vorbeuge zu verweilen. Wer es genauer wissen will, dem ist der Ayurveda eine große Hilfe dabei. Das Wissen über die ayurvedischen Doshas, die 3 Bioenergien Vata, Pitta und Kapha, kann unsere Yogapraxis sehr bereichern und Dysbalancen ausgleichen.

Wir alle werden von den drei Doshas geprägt: unser Aussehen, unser Charakter, unsere Talente, unsere Eigenheiten. Je nach dem, welches oder welche Doshas bei uns persönlich besonders prägnant sind.

Der Vata-Typ

Die Vata-Konstitution ist besonders leicht, beweglich, kalt und trocken. Wie der Wind. Denn sie setzt sich aus den Elementen Luft und Äther zusammen. Das zeigt sich in einem leichten Körperbau und einem agilen Wesen. Die Vatas unter uns bewegen sich gern, reden gern, sind sehr aufgeschlossen und kreativ. Sie sprudeln vor neuen Ideen. Sie haben oft trockene Haut und kalte Füße.

Wenn das Vata übersprudelt und außer Balance gerät, dann verzetteln sich diese Typen schnell, werden nervös und gestresst und kommen vor lauter Ideen nicht in die Umsetzung. Das führt zu Selbstzweifeln und Unsicherheit. Vatas brauchen Struktur und Erdung.

Nach meiner Erfahrung sind die Vatas in der Yogawelt recht verbreitet und lieben vor allem Vinyasa Sequenzen.

Der Pitta-Typ

Das Pitta-Dosha wird vor allem durch das Element Feuer geprägt. Die Pittas sind die Macher unter uns. Die Chefs. Diejenigen, die den Ton angeben. Sie sind ehrgeizig und zielstrebig. Ihr inneres Feuer sorgt für eine gute Verdauung. Sie brauchen viel zu Essen – und wenn sie es nicht bekommen, werden sie ungemütlich. Ihnen ist meistens warm. Es sind eher athletische Typen, die sich gern mit anderen messen. Sie joggen nicht nur, sie trainieren gleich für einen Marathon.

Wenn das Pitta sprichwörtlich überkocht, dann neigen sie zu Wutausbrüchen, Verspannungen, Entzündungen, Bluthochdruck, Sodbrennen oder Magengeschwüren. Pittas müssen überschüssige Energie abbauen – ohne falschen Ehrgeiz – und brauchen zudem Ruhe und Erdung.

Ich habe den Eindruck, dass unter den Ashtanga, Iyengar und Power Yogis viele Pittas zu finden sind.

Der Kapha-Typ

Das Kapha-Dosha wird von den Elementen Erde und Wasser bestimmt. Das sind nährende, lebenspendende Elemente. Demzufolge sind die Kaphas auch gute Nährstoffverwerter. Sie brauchen nicht viel, um Nährstoffe aufzunehmen. Kapha-Typen haben daher oft eine sehr schöne Haut, volles Haar, volle Lippen, große strahlende Augen – und ein bisschen Übergewicht. Denn sie sind auch die größten Genießer unter uns. Sie fahren gern jedes Jahr zum gleichen Urlaubsort und bestellen im Restaurant das, von dem sie schon wissen, dass es schmeckt. Die Kaphas sind sehr soziale Wesen, sie kümmern sich um andere.

Wenn sich zu viel Kapha ansammelt, kann die Gelassenheit des Kapha-Typen in Trägheit und Lethargie umschlagen. Die Schwere der Elemente Erde und Wasser kann sich auch aufs Gemüt legen und sie depressiv machen. Kaphas müssen den Körper in Schwung bringen. Sie brauchen Leichtigkeit.

Nach meiner Beobachtung lieben Kaphas Yin oder Restorative Yoga. Aber gerade sie brauchen die Erdung dieser Praxis am wenigsten. Sie sollten eher ihr Herz-Kreislauf-System anregen.

Na, habt Ihr Euch in einem der Dosha-Typen erkannt?

Eine Sequenz für alle Typen

Natürlich werden wir nie nur von einem Dosha bestimmt, auch wenn es noch so markant sein sollte. Wir alle tragen zu unterschiedlichen Anteilen alle Doshas in uns. Es geht eher darum, welches Dosha im Moment außer Balance ist. Ganz unabhängig davon, ob das unsere prägnanteste Bioenergie ist. Fühlen wir uns unsicher und nervös? Dann sollten wir Vata-ausgleichend üben. Stehen wir zu sehr unter Strom, sind unschwellig aggressiv und ungeduldig? Fühlen wir uns total verspannt? Dann sollte das Pitta gedämpft werden. Eine auspowernde Praxis würde es eher noch mehr steigern. Oder kriegen wir grad den Arsch nicht hoch? Fühlen wir uns müde und schwer? Dann sollten wir Kapha abbauen.

In einer Yogaklasse kommen sämtliche Typen und all ihre möglichen Dysbalancen zusammen. Mit einer ausgewogenen Sequenz kann man jedoch auf ALLE Doshas ausgleichend wirken:

Wir beginnen am Boden, denn hier holen wir auch die gemütlichen Kaphas ab. Man kann den inneren Schweinehund eher überwinden, wenn die Yogapraxis im Sitzen oder Liegen beginnt. Wir mobilisieren die Wirbelsäule und arbeiten uns so langsam nach oben zum Stehen.

  • Swastikasana / Schneidersitz
    • Parsva Swastikasana / Drehung im Schneidersitz
    • Adho Mukha Swastikasana / Vorwärtsstreckung im Schneidersitz
  • Adho Mukha Virasana / auf den Fersen sitzen, Knie auseinander, Vorwärtsstreckung
    • Parsva Adho Mukha Virasana / mit den Händen zur Seite wandern
    • Parivrtta Adho Mukha Virasana / einen Arm unter dem anderen durchstrecken für eine Drehung
  • Adho Mukha Svanasana / Herabschauender Hund
  • Uttanasana, mattenbreit / Vorbeuge im Stehen
  • Tadasana / Berghaltung, aufrecht stehen

Jetzt wollen wir das Herz-Kreislauf-System anregen und etwas Schwung in den Körper bringen. Das gibt den Kaphas mehr Leichtigkeit, und die Vatas und die Pittas können sich jetzt ein bisschen austoben, um später besser zur Ruhe zu kommen.

  • Surya Namaskar / der Sonnengruß
    • Namaskarasana in Tadasana / Berghaltung mit Gebetshänden vor der Brust
    • Einatmen: Urdhva Hastasana / Arme weit nach oben
    • Ausatmen: Uttanasana / Vorbeuge im Stehen
    • Einatmen: nach hinten schreiten oder springen
    • Ausatmen: Adho Mukha Svanasana / Herabschauender Hund
    • Einatmen: Urdhva Mukha Svanasana / Heraufschauender Hund
    • Ausatmen: Chaturanga / Arme beugen in den Stütz
    • Einatmen: Urdhva Mukha Svanasana / Heraufschauender Hund
    • Ausatmen: Adho Mukha Svanasana / Herabschauender Hund
    • Einatmen: nach vorn schreiten oder springen
    • Ausatmen: Uttanasana / Vorbeuge im Stehen
    • Einatmen: Urdhva Hastasana / Arme weit nach oben
    • Ausatmen: Namaskarasana in Tadasana / Berghaltung mit Gebetshänden vor der Brust
    • … (gern 5 – 10 Wiederholungen)

Darauf folgt ein erdender Teil von Stehhaltungen, der den Körper stabilisiert, kräftigt, dehnt und ins Gleichgewicht bringt und vor allem das Vata-Dosha beruhigt. Wenn wir die Asanas etwa eine Minute pro Seite halten, arbeiten wir zudem an unserer Ausdauer, was ebenfalls einem hyperaktiven Vata zugute kommt.

  • Trikonasana / das Dreieck
  • Virabhadrasana II / Krieger II
  • Parsvakonasana / der seitliche Winkel
  • Ardha Chandrasana / der Halbmond
  • Prasarita Padottanasana / Vorbeuge in der großen Grätsche

Drehhaltungen lösen Verspannungen, bauen überschüssiges Pitta ab und machen flexibel. Da der Körper nun allmählich zur Ruhe kommen soll, können auch die folgenden Asanas gern länger gehalten werden.

  • Dandasana / aufrecht sitzen, Beine nach vorn gestreckt
    • Parsva Dandasana / Drehung im Sitzen
    • Marichyasana I / je 1 Bein aufgestellt, Drehung zur offenen Seite
    • Marichyasana III / je 1 Bein aufgestellt, Drehung zur geschlossenen Seite

Und jetzt schließt sich der Kreis:

  • Swastikasana / Schneidersitz
    • Parsva Swastikasana / Drehung im Schneidersitz

Besonders die folgende Vorbeuge sollte lange gehalten werden. Vorbeugen sprechen das parasympathische Nervensystem an und helfen somit, den Körper in den Entspannungsmodus zu bringen.

  • Adho Mukha Swastikasana / Vorwärtsstreckung im Schneidersitz
  • Supta Swastikasana / im Schneidersitz auf den Rücken legen
  • Savasana / Endentspannung

Viel Spaß beim Üben!

Ist alles verständlich? Habt Ihr es ausprobiert? Fragen? Anregungen? Lasst es mich wissen, wenn Ihr etwas genauer wissen wollt.

Eure Nici



UNSERE LEHRER

Zu Gast: Karo Wagner

„Was sind depressive Stimmungen? Wer kennt’s?“, fragt Karo herausfordernd in die Runde der 20 Teilnehmer ihres Workshops im YogaKraftwerk. Es meldet sich erstmal niemand, statt dessen sehen sich alle etwas unsicher um. Karo lässt nicht locker: „Na los. Hosen runter. Wir sind unter uns.“ Und schließlich gehen doch die Finger nach oben. Immer mehr. Etwa die Hälfte der Anwesenden meldet sich. Jetzt kommen auch die ersten Antworten auf Karos Eingangsfrage. In einer depressiven Phase empfinden sie „Leere“, „Antriebslosigkeit“, fühlen sich „kraftlos“.

Die zaghafte Reaktion entspricht Karos Erfahrung. Depression ist ein Tabu-Thema. Doch sie selbst ist damit immer sehr offen umgegangen. Und so haben sich ihr gegenüber auch viele andere geöffnet, die immer mal wieder in ein dunkles Loch fallen.

Karo Wagner ist Yogalehrerin für Vinyasa und regenerativen Yoga und leitet die Vinyasa Yoga Akademie, die in Deutschland und in der Schweiz Aus- und Weiterbildungen anbietet. Sie hat inzwischen zwei Bücher veröffentlicht, hat einen Blog, einen YouTube-Kanal. Sie ist eine Power-Frau, die oft 70, 80 Stunden in der Woche gearbeitet hat. „Doch wenn man so extrem im Yang lebt, dass das Yin, das Nichtstun, gar keinen Raum mehr hat, dann geht vielleicht irgendwann von heute auf morgen gar nichts mehr.“

Karo bekam eine schwere Depression mit Burn Out-Tendenzen, die sie viele Jahre begleitet hat und immer noch prägt. „Ich empfinde in diesen Phasen eine tiefe Traurigkeit. Ein ganz schweres Körpergefühl. Es ist eine schwere, dunkle Energie, die selbst die einfachsten Dinge fast unmöglich macht: zum Briefkasten laufen, etwas aus dem Kühlschrank holen, mit dem Hund Gassi gehen…“

„Yoga gegen dunkle Tage“ ist auch ein schweres Thema, das in einem krassen Gegensatz zu unseren anderen Workshops steht, in denen meist viel gelacht und geschwitzt wird. Aber die große Resonanz, die persönliche Betroffenheit einiger Teilnehmer und das Wissen um manche Betroffene im Bekanntenkreis zeigt, wie wichtig das Thema ist. Karos Offenheit, ihre sehr persönliche Geschichte und die Eindringlichkeit, mit der sie anderen mit der eigenen Erfahrung helfen möchte, ist zudem sehr berührend.

Karo Wagner im YogaKraftwerk

„Ich habe zuerst versucht, das Problem selbst zu lösen. Ich bin ja eine Yogini. Und aus dieser Arroganz heraus dachte ich, ich schaffe das alleine.“ Das hat sie nicht. Aber die Jammer- und Opferrolle war auch keine Option. Also hat sie sich Hilfe geholt. Das empfiehlt sie auch allen anderen, die darunter leiden. Hier sind ein paar ihrer wichtigsten Tipps:

  • Nimm das Problem an. Akzeptiere es einfach. Dann wirst du lösungsorientiert.
  • Such dir den für dich richtigen Therapeuten. Eine reine Gesprächstherapie taugt vielleicht nicht für jeden.

Sie selbst hat eine Transformations-Therapie nach Robert Betz gemacht. „Es gibt einen Grund, warum die Seele so tieftraurig ist. Bei mir war es ein vorgeburtliches Trauma. Mein Zwillingsbruder kam tot zur Welt. Und das kam irgendwann in meinem Erwachsenenleben wieder hoch. Gefühle lassen sich nicht wegdrücken. Sie kommen dann nur umso stärker wieder. Sie wollen beachtet werden, dann lassen sie auch wieder nach.“

  • Fokussiere dich auf Heilung. Denn die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Konzentriere dich also auf das, was du dir wünschst.
  • Mach dir eine Liste mit all deinen Kraftquellen. Was tut dir gut? Spaziergänge, Massagen, gutes Essen,… Sieh regelmäßig auf die Liste und gönn dir etwas davon.
  • Komm in Bewegung: Yoga, joggen, wandern,…
  • Schreib Tagebuch. Gedanken kreisen, sie kommen immer wieder hoch. Durch das Schreiben kannst du sie besser loslassen.
  • Kultiviere Dankbarkeit. Sei dankbar für das, was du hast. Für alles, das schön ist in deinem Leben.
  • Du bist nicht depressiv. Du fühlst höchstens eine depressive Stimmung. Gefühle kommen und gehen.
  • Finde ein Tool, mit dessen Hilfe du dich vollkommen entspannen kannst: Yin Yoga, Hz Healing Music,…
  • Iss gesund. Integriere stimmungsaufhellende Nahrungsmittel wie Walnüsse oder Avocados in deinen Speiseplan.
  • Meditiere.

Karo schwört auf die geführten Meditationen von Joe Dispenza. „Früher habe ich nur die Stille gesucht, heute meditiere ich auf die Freude. Das hält für Stunden an.“

  • Nutze Affirmationen.

Auf dem Weg zum YogaKraftwerk ist Karo in einen Stau geraten und es war fraglich, ob sie es überhaupt pünktlich zum Workshop schafft. „In so einer Situation lasse ich einfach Worte in mir schwingen. Wie ‚Gelassenheit. Ich bin gelassen. Gelassenheit ist in mir und um mich herum….'“ Sie kam punktgenau im Studio an.

  • Yoga. Immer wieder Yoga. Auch um die Faszien zu dehnen, die sich bei Stress zusammenziehen und den Körper schwer machen.

Und so lassen wir uns im zweiten Teil von Karo in einer Yogapraxis anleiten, die erst alles Schwere abschüttelt, dann das Herz öffnet und die Gedanken zur Ruhe kommen lässt.

Herzöffner schenken neue Kraft und Energie

Als ich am nächsten Morgen viel zu früh aufstehen muss, ruf ich mir die Affirmationen in Erinnerung und lasse die Worte in mir schwingen: Ich bin wach. Wachsein. Klarheit. Ich fühle mich wach und klar… Es hat geholfen.

Eure Nici

UNSERE SCHÜLER

Tinas Challenge – Uttanasana (die Bilanz)

Ist eine Yoga-Challenge ein Widerspruch in sich? Trage ich zur Versportlichung des Yoga bei, wenn ich eine Challenge unterstütze? Ist das dann noch Yoga?

„Yogas citta vritti nirodhah“ – das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen in unserem Geist ist das Ziel des Yoga. So heißt es in den Yoga-Sutras des Patanjali. Yoga soll also den Affen im Kopf besänftigen. Tina hatte ein anderes Ziel.

Uttanasana, die stehende Vorbeuge

Sie hat sich Anfang 2018 vorgenommen, mit den Händen zu den Füßen zu kommen. Tina wollte endlich die stehende Vorwärtsbeuge – Uttanasana – packen, und ich habe sie das ganze letzte Jahr dabei begleitet (siehe auch http://nicitannert.de/tinas-challenge-uttanasana/ und http://nicitannert.de/tinas-challenge-uttanasana-2-teil/). Flexibler werden zu wollen ist natürlich ein vordergründig körperliches Anliegen. Aber warum üben wir denn überhaupt so viele Asanas, wenn es doch eigentlich um den Geist geht?

Weil es noch viel schwerer ist, den Geist zur Ruhe zu bringen, wenn es im Körper spannt und zwickt. Weil Verspannungen, Steifheit oder Schmerzen uns irritieren, beschränken und ablenken. Weil wir es sonst gar nicht lang genug in einem statischen Meditationssitz aushalten, um den Blick wirklich nach innen zu richten. Das weiß Tina aus Erfahrung. Sie hat es probiert.

Die Asana-Praxis kommt auf dem Achtstufigen Yogapfad (Ashtanga Pada) lange vor der Meditation. Sie „reinigt den Körper, führt zu guter Gesundheit, Ruhe und Festigkeit“, steht in der Hatha Yoga Pradipika, einer der bekanntesten klassischen Yogaschriften aus dem 14. Jahrhundert. Von einer persönlichen Challenge ist darin nicht die Rede. Aber warum sollte man sich bei der Yogapraxis keine Ziele setzen können, solange man achtsam übt? Sich einer Herausforderung zu stellen, kann den inneren Schweinehund besiegen und für Disziplin und Regelmäßigkeit sorgen. Das wiederum lässt die Übungspraxis zu einer Gewohnheit werden, die man vielleicht bald nicht mehr missen möchte und die einen letztendlich stark, gesund und beweglich hält. Bis ins hohe Alter, wenn man in der Regel mehr Zeit hat, um nach innen zu schauen, als in jüngeren Jahren.

Tina hat sich jedenfalls ein Jahr lang fast täglich an der Vorwärtsbeuge in all ihren Variationen sowie vielen vorbereitenden Asanas geübt. „Es war eine lange Reise, mit allen Höhen und Tiefen. Auch in Bezug auf die Motivation“, resümiert sie heute. „Ich hatte immer mal wieder Formkrisen, Frust oder einfach keinen Bock auf das Dehnungsziehen beim Üben.“ Hinzu kam die Herausforderung, mit einem immer munterer werdenden Kleinkind an der Seite Zeit zum Üben zu finden und auch dann zu praktizieren, wenn man eigentlich gerade ganz andere Sorgen hat. Aber Tina ist am Ball geblieben. Und es hat sich gelohnt.

Paschimottanasana, die „Dehnung der Westseite“ im Sitzen
Prasarita Padottanasana – auch in der Grätsche kommt Tina jetzt besser runter

„Mein Körpergefühl und Körperbewusstsein haben sich EXTREM verbessert.“ Tina hat zwei unterschiedliche Körperhälften. Wie wir alle. Wer ist schon symmetrisch? „Bei mir steht das rechte Schulterblatt etwas höher. Das beeinflusst natürlich meine Haltung und bringt auch ein paar Probleme mit sich. Aber ich habe jetzt ein besseres Gefühl für diese Unterschiedlichkeit der Seiten und kann nun mit meiner Osteopathin daran arbeiten. Mein Verständnis für die Ausrichung in den Yogahaltungen ist größer geworden und ich habe einen Bezug zu meiner steifen Brustwirbelsäule gefunden.“ Dadurch fallen ihr heute Asanas wie Parivrtta Trikonasana, das Gedrehte Dreieck, deutlich leichter als noch vor ein paar Monaten.

Die Zeit, die sie in Dehnungshaltungen investiert hat, zahlt sich für Tina aus. „Die Flexibilität, die ich mir erarbeitet habe, hält auch eine Weile an. Selbst wenn ich nicht jeden Tag übe. Bei den Haltungen, die mehr Kraft erfordern – wie Chaturanga – ist das anders. Die Kraft ist schneller wieder weg, wenn man nichts mehr macht.“

Tina hat auch zu Hause fleißig geübt

Die neue Beweglichkeit macht die Übungspraxis für Tina schöner. Sie kann nun geschmeidig durch Vinyasas fließen und braucht für ihre normale Yogasession keine Hilfsmittel mehr. Mit der Kraft und dem neuen Körpergefühl kommt auch die Lust auf Asanas, die sie früher konsequent gemieden hat, wie den Kopfstand. Sie hat mehr Durchhaltevermögen und wirkt gelöster in den Yogastunden. „Ich bleibe auf jeden Fall dran. Das will ich nicht wieder verlieren“, betont sie.

Die meisten finden den Weg ins Yogastudio über den Körper. Sie kommen, wenn sich die ersten körperlichen Probleme einstellen, und erhoffen sich durch den Yoga Linderung. Oder sie kommen, weil es grad im Trend liegt oder weil sie die Yogaposen in den Sozialen Medien cool finden. Viele – wie auch Tina – möchten früher oder später mehr über den Yoga erfahren und beginnen sich dann auch für die Historie und die Philosophie dahinter zu interessieren. Anderen reicht der körperliche Aspekt. – So what? Wenn Yoga „nur“ dazu beiträgt, dass sich so viele Menschen wie möglich mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit bewusst auseinandersetzen, dann ist doch schon ganz viel gewonnen.

Yoga ist kein Wettbewerb, aber eine persönliche Challenge allemal.

Mehr Kraft – mehr Mut

Eure Nici



UNSERE LEHRER

Zu Gast: Jelena Lieberberg

„Angst ist gut. Angst schützt uns vor Leichtsinn. Bekämpft nicht die Angst, sondern baut Kraft auf. Wenn Ihr stärker werdet, verschwindet die Angst von ganz alleine.“ Die Angst vor Umkehrhaltungen zum Beispiel. Jelena ist ein Meister darin. Sie ist ständig über Kopf. Auf dem Kopf, auf den Unterarmen, auf den Händen. Zur Zeit arbeitet die ehemalige VIVA-Moderatorin und Sängerin am einarmigen Handstand. Frei.

Jelena kam mit 12 Jahren erstmals mit Yoga in Berührung. Damals hat sie ein serbokroatisches Yogabuch ihrer Mutter in die Finger gekriegt, in dem eine Frau in Strumpfhosen abgebildet war. „Das fand ich witzig“, meint Jelena heute. „Ich habe das Buch gerade erst wiedergefunden. Die Haltungen darin sind zum Teil furchtbar. Der Handstand ist total krumm. Aber die Seiten sind voller Sticker von mir. Ich habe das Buch offenbar viel benutzt.“

Wie so viele andere Frauen auch, hat sich Jelena während der Schwangerschaft mit ihrer ersten Tochter vor 15 Jahren wieder an Yoga erinnert und nach der Geburt die Yogapraxis intensiviert. Nach dem zweiten Kind hat sie sich zur Yogalehrerin ausbilden lassen und begonnen zu unterrichten. Heute gibt sie hauptsächlich Privatstunden und rockt Menschenmassen auf Yogaevents wie der YogaWorld oder Wanderlust. Sie hat die Marke Kiss Ass Yoga gegründet, arbeitet als Kolumnistin für das YogaJournal und hat zwei Yogabücher geschrieben. Und vor allem praktiziert sie viel selbst. Sie entwickelt sich immer weiter.

Genau das macht ihren Unterricht aus. Jelena weiß genau, wovon sie spricht. Das sollte auch so sein, ist jedoch längst nicht selbstverständlich. Sie hat ihre Lehrer, ist selbst immer auch Schülerin. Es steht schon wieder eine fünftägige Weiterbildung in London an, bei der täglich 6 Stunden am Handstand gefeilt wird. Sie macht das für sich. Aber das Wissen und die Erfahrung fließen natürlich auch in ihren Unterricht ein.

Die Masterclass „Twist & Shout“ mit Jelena Lieberberg im YogaKraftwerk

Ihre tägliche eigene Praxis sieht so aus: „Wenn die Kinder aus dem Haus sind und ich mit dem Hund draußen war, übe ich mit den Faszienrollen und wärme mich an einer Klimmstange in unserem Türrahmen auf. Dann geh ich zum Bouldern oder Kampfsport oder praktiziere Ashtanga.“

Schon als Kind hat sich Jelena in den Handstand an die Tür geworfen, seit 5 Jahren arbeitet sie ernsthaft daran. Um sich zur täglichen Praxis zu disziplinieren, nimmt sie nun schon das zweite Jahr an einer Handstand-Challenge (#365daysofhandstands) teil. Ihre Entwicklung kann man täglich auf Instagram verfolgen. Mehr als 68.000 Follower machen das. Ihre Posts sind lehrreich und oft selbstironisch. Man schaut ihr einfach gerne zu.

Starke Arme, starker Rumpf – Vorbereitungsübungen für den Handstand

Aber wir wollen ja selber stärker werden. Was sind die Empfehlungen der Expertin? „Die Hände und Handgelenke aufwärmen, Vorbeugen üben und Spagat. Liegestütze, Chaturanga, Handstand an der Wand, mit dem Bauch zur Wand in den Handstand laufen,…“ Das alles hat sie mit uns bei ihren Gastlehrer-Workshops gemacht. Es war toll. Spielerisch, schweißtreibend und sehr bereichernd. Jelena will wiederkommen. Ich freue mich jetzt schon darauf!

Eure Nici