UNSERE LEHRER

Zu Gast: Petra Havelková

Petra Havelková gibt inzwischen regelmäßig Gastlehrer-Workshops im YogaKraftwerk. Mit ihrer sympathischen, selbstironischen Art reißt sie uns immer wieder mit, bringt Männer zum Tanzen und Frauen in den Liegestütz. Zeit für ein Interview.

Zunächst ein kleiner Steckbrief. Wie alt bist Du?

Äh, 45. Ich vergesse es immer wieder gerne… Aber ich habe kein Problem damit.

Bist Du verheiratet?

Nee.

Freund?

Nee.

Kinder?

Nee. Das ist mir alles erspart geblieben. Haha… Man kann sagen leider oder Gott sei Dank. Vielleicht soll es einfach so sein. Dann kann ich mich auf andere Sachen konzentrieren.

Du bist eigentlich gelernte Krankenschwester und arbeitest auch immer noch in diesem Beruf. Wie kannst Du das mit Deiner Arbeit und Deinen Reisen als Fitnesstrainerin und -ausbilderin vereinbaren?

Ich arbeite dreimal in der Woche in einer Praxis und einmal im Monat in der Notaufnahme. Das mach ich gern. Es ist ein harter Job, aber er macht Spaß – weil es eben nicht so oft ist. Die Arbeit in der Praxis lässt sich ganz gut organisieren.

Du kommst ursprünglich aus Tschechien?

Ja, direkt aus Prag.

Und seit wann lebst Du hier?

Seit ’92. Schon mehr als 25 Jahre… Bin praktisch mit 2 Jahren hierher gekommen…

Dann muss ich die Einstiegsfrage weglassen…

Stimmt…

Wann hast Du die Fitnessrichtung eingeschlagen?

’94 oder ’95. Ich war einfach zu fett. Fürs Ballett und alles andere auch. Ich habe dann angefangen für mich zu trainieren, weil ich abnehmen wollte. Und irgendwann bin ich dann im Fitnessstudio angesprochen worden, ob ich eine Ausbildung machen möchte. So ging’s los.

Ein großer Schritt für Dich war die Entwicklung von DAYO DanceYoga.

Ich habe damals ein gebrochenes Herz gehabt. Mit all den überwältigenden Gefühlen, die dazu gehören. Erst das Tanzen und Yoga und die Verbindung von beidem haben mich runtergebracht. So hat sich DAYO entwickelt. Und ich bin jetzt im Nachhinein – Dank an meinen Ex! – sehr froh, dass er gemacht hat, was er gemacht hat, weil es mich so viel weiter gebracht hat. Damals habe ich es nicht verstanden. Aber jetzt.

DAYO Dance Yoga

Kam bei Dir erst das Tanzen oder erst der Yoga?

Das Tanzen war das erste. Streetdance und HipHop. Ich habe auch eine PortDeBras-Ausbildung gemacht, da liegt der Fokus bei Tanz und Ballett auf den Armpositionen. Dabei habe ich gemerkt, dass mir das Fließende sehr gefällt. Auch bei Vinyasa Yoga ist man im Flow. Fließend in Asanas zu gehen, finde ich total schön. Das lässt sich mit Elementen aus dem Tanz zu sehr schönen Choreografien verbinden. Am Freitag nach dem DanceYoga-Workshop hier im YogaKraftwerk hat eine Teilnehmerin hinterher zu mir gesagt: „Ich hatte das Gefühl, ich kann tanzen.“ Das können sie alle. Sie haben es nur vergessen.

Schaust Du Let’s Dance?

Ab und zu schau ich ganz gern rein. Aber wenn ich nach Hause komme, höre ich lieber Musik, trinke ein Glas Wein und esse was Schönes. Der Fernseher ist eigentlich bei mir total unnötig.

Kann jeder beim DanceYoga oder Aerial Dance mitmachen?

Ja, auf jeden Fall. Das kann wirklich jeder. Ich gebe jedem die Möglichkeit mitzumachen, aber ich zwinge niemanden. Du hast jederzeit die Möglichkeit zu sagen „Oh, das ist doch nichts für mich.“ Das ist wie bei allem anderen: Wenn Du etwas probierst und es ist nichts für Dich – es ist Dein Leben, es sind Deine Minuten Deines Lebens und die solltest Du nicht verplempern, nur weil Du jetzt da bist, weil Du es bezahlt hast.

 

Arsch hoch!-Aerial Yoga und Aerial Dance

 

Du hast dieses Wochenende im YogaKraftwerk auch den Workshop „Arsch hoch!-Aerial Yoga“ gegeben. Was war der Unterschied?

Ich habe die Leute aus der Reserve gelockt. „Arsch hoch“ heißt nicht nur, den Hintern zu heben. Es heißt auch, den inneren Schweinehund zu überwinden. Es heißt: Ich mache Liegestütze. Welche Frau liebt schon Liegestütze? Keine. Die haben im Workshop trotzdem welche gemacht. Sie haben gejault und sind an ihre Grenzen gegangen, aber sie haben es einfach versucht.

Es haben ja auch Männer mitgemacht. Was sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Deinem Unterricht?

Wir Frauen haben es ein bisschen schwerer, unseren Arsch zu heben. Die Männer sind normalerweise so gebaut, dass der Oberkörper schwerer ist als der untere Teil. Wenn die zum Beispiel Klimmzüge machen, müssen sie nicht so viel hochschleppen wie wir Frauen. Wir haben nicht so viel Kraft in den Armen wie die Männer. Das kann man natürlich aufbauen, aber es kommt nicht von allein. Doch die Männer haben auch ihre Defizite. Die können sich oft nicht sexy bewegen…

Was sind Deine „Defizite“?

Meine Oberschenkel sind breit genug, um sie nicht trainieren zu müssen… Haha. Deshalb ist jeder Ausfallschritt eine Quälerei für mich. Ich jogge auch nicht. Außer, wenn ich eine Wette verloren habe. Ich bewundere die Menschen, die joggen. Für mich ist das nichts. Joggen und Schach. Fürs Joggen bin ich zu langsam und für Schach hab ich die Geduld nicht und das Gehirn. Das ist mir zu viel Konzentration auf einen Zug.

Was kann man als Frau denn machen, um die Armmuskeln zu kräftigen?

Liegestütze. Die kann man auch auf den Knien machen. Aber man muss sie richtig machen. Da muss auch die Schulter mitarbeiten, die Gelenke müssen richtig ausgerichtet sein. Und wenn ich 20 Liegestütze auf den Knien schaffe, dann kriege ich auch 2 richtige ohne Knie hin. Das kann ich langsam steigern. Außerdem Yoga. Die Arme können beim Yoga supergut definiert werden. Es gibt so viele Stützpositionen.

Übst Du auch für Dich selber?

Nee. Für mich ist das Schlimmste, in meinen eigenen Kursen mitzumachen. Ich halte das nicht aus. Ich verlange von meinen Teilnehmern mehr als ich selber kann… – Haha. Nein. Ich gehe gern zu Freunden und Kollegen, die Yoga unterrichten, mache Hot Yoga, gehe zum Tanzen. Ich mache jeden Tag meinen kleinen Sonnengruß, aber das ist wirklich nur zum Wachwerden. Ich habe keine eigene Yogapraxis. Das Bedürfnis habe ich nicht. Ich mache auch so genug. Da ist mir ein Glas Wein lieber…

Das wäre die nächste Frage: Wie entspannst Du?

Beim guten Wein. Mit Freunden oder auch alleine. Und beim guten Essen. Beim Kochen. Ich liebe kochen. Ich koche gerne für Freunde. Ich experimentiere gerne mit dem Essen. Damit verwöhne ich meine Leute. Weil ich sie natürlich auch viel vernachlässige, wenn ich ständig unterwegs bin.

Du warst ja mit dem Aerial Yoga-Tuch vor ein paar Jahren auch bei Günther Jauch…

… und Oliver Pocher. Ja. Das war eine tolle Erfahrung, mal hinter die Kulissen zu sehen. Auch lustig. Wie ich da in Sportklamotten stand und ständig geschminkt wurde.

Waren beide im Tuch? Jauch und Pocher?

Ja. Den Jauch hab ich flachgelegt. Der ist mir rausgefallen… Aber seine Mitarbeiter haben gesagt: „Mach Dir keinen Stress. Der ist auch in der Lage, sich beim Treppenlaufen zu verletzen.“

Welche Rolle spielt Musik in Deinem Leben?

Eine große Rolle. Ich mag Musik. Weil ich nicht so gut Englisch kann, lass ich mir für DAYO oft Texte übersetzen. Denn es reicht nicht, wenn mir eine Melodie gefällt, um mich damit zu identifizieren. Die Musikrichtung ist dabei egal. Es muss rund sein.

Hast Du trotzdem ein Lieblingslied?

Ich liebe Ed Sheeran! Ich liebe Musik mit Akustik-Gitarren. Da kann ein Mann auch klein und häßlich sein. Wenn er gut Gitarre spielen kann, will ich ihn sofort haben… Und ich mag gefühlvolle Musik.

Gehört für Dich Musik beim Yoga dazu?

Kommt drauf an, was ich mache. Ich lasse mich von Musik gern leiten. Das kann aber bei mir auch problematisch werden, weil ich immer versuche, beim Flow im Takt mit der Musik zu sein. Wenn ich Yoga unterrichte und mehr auf Adjustment achte, lasse ich die Musik lieber weg oder lasse sie nur leise im Hintergrund spielen, um nicht abzulenken.

Hast Du Vorsätze gehabt dieses Jahr?

Ja, keine zu haben… Ich könnte rein theoretisch auch die von 2016 oder 2015 nehmen, denn die sind alle unverbraucht. – Obwohl, halt! Einen habe ich gehabt: Dankbar sein. Wir sollten uns nicht darüber aufregen, dass wir morgens aufstehen müssen, sondern dankbar sein, dass wir es können. Ich habe oft mit Patienten von der Palliativstation zu tun, daher weiß ich das wirklich zu schätzen. Ich sehe, wie diese Menschen das Leben lieben, und freue mich, wenn ich sie zum Lachen bringen kann. Sie verplempern keine Minute, denn sie haben nicht mehr viel davon. Unsere schnelllebige und leistungsorientierte Gesellschaft vergisst oft, dass es auch ganz schnell vorbei sein kann.

Wie sieht für Dich ein perfekter Tag aus?

Heute scheint die Sonne – aber das macht für mich noch keinen perfekten Tag aus. Ein perfekter Tag ist, aufzustehen und mich mit Leuten zu umgeben, die mir gut tun. Und einfach nur das zu machen, worauf ich Lust habe. Es kann regnen, ich sitze vielleicht nur mit Freunden vor dem Fernseher oder mache was alleine. Wenn ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht einschlafen kann, dann war der Tag perfekt.

Hast Du Träume, Wünsche, Ziele?

Also Ed Sheeran kann ich jetzt nicht mehr heiraten. Der ist vergeben…

Mein Traum ist, was Du hier hast: Ein schönes Studio. Aber ich würde es wahrscheinlich mit Gastronomie verbinden. Klein, fein, am Wasser. Ein Yoga- & Winehouse. Mit regionalem Essen. Es wird das gegessen, was es zu der Jahreszeit gibt. Ich brauche keine Erdbeeren im Winter. – Das wäre mein Traum. Nicht, um Geld zu verdienen. Einfach das, was ich kann, weitergeben können. Essen, gute Freunde, Kommunikation.

 

 

 

 

About The Author

Nici

Silvester 2006 habe ich mir Punkt Mitternacht beim Feuerwerk eine Zigarette angezündet und bekam prompt einen Asthmaanfall. So wurde ich zum Nichtraucher - ich hatte ohnehin keinen Bock mehr drauf, zunehmend zum Rauchen vor die Tür geschickt zu werden. Um durchzuhalten und mich abzulenken (und nicht zuzunehmen), begann ich mit Sport und Bewegung. Ich habe viel ausprobiert, aber Yoga hat mich von Anfang an gepackt und nicht wieder losgelassen. Inzwischen bin ich zertifizierte Iyengar Yoga Lehrerin, habe meine Arbeit als TV-Producerin an den Nagel gehängt und ein eigenes Yogastudio eröffnet. Das YogaKraftwerk. Mein ganzer Stolz.

4 comments

  1. Esther

    12. März 2018 at 17:05

    Sehr schönes und sympathisches Interview! Ich musste 2x sehr herzhaft Lach-Yoga machen 🙂 Bei der Antwort auf die Frage nach den Defiziten und dass Petra der Jauch „rausgefallen“ ist, der sich aber auch mal beim Treppensteigen verletzt – also nicht so schlimm… 😀 Von dem Studio mit Weinbar hat sie uns beim Workshop erzählt und ich würde auf jeden Fall mal zu Besuch kommen (aber für den Yoga-Unterricht bleib‘ ich Dir treu, Nici) 🙂

    1. 12. März 2018 at 17:18

      Wir werden dort unsere Yogaferien verbringen. Kann man ja auch ein Yoga-Retreat organisieren. 😉

      1. Esther

        13. März 2018 at 07:12

        Bin dabei 😀 …Hab‘ mich eben an dieses Video erinnert: https://www.youtube.com/watch?v=oxPuyrfHA3o

        1. 13. März 2018 at 07:20

          😂

Geht es Dir ähnlich? Was sind Deine Erfahrungen? Hast Du Fragen? Immer raus damit!