YOGA-REISE

5 Wochen Indien – die Ankunft

Unsere Reise von München über Abu Dhabi nach Pune in Indien dauert etwa 12 Stunden. Hinzu kommt eine Zeitverschiebung von 3 1/2 Stunden. Es ist sehr früh am Morgen, als wir landen. Bei der Einreise werden Fotos von uns gemacht und Fingerabdrücke genommen. Wir wechseln ein paar hundert Euro in tausende von indischen Rupien und haben plötzlich die Taschen voller Geld.

Am Ausgang wartet schon unser Fahrer, den das Hotel geschickt hat, und nimmt uns die Koffer ab. Die Luft ist ganz angenehm. Kühler als zur Zeit in Deutschland, durch die Regenzeit klarer als in anderen Monaten, auch wenn gerade kein Regen fällt. Auf den Straßen herrscht reger (Links-)Verkehr: Mopeds, motorisierte Rikschas, Autos, Fußgänger, streunende Hunde,… – alles scheinbar wild durcheinander. Es wird permanent gehupt. Wir rumpeln durch organisch entstandene Schlaglöcher und über absichtlich angelegte Bremsschwellen, gefühlt Tür an Tür mit anderen Fahrzeugen. Es müsste eigentlich jeden Augenblick scheppern, aber die Fahrer manövrieren ihre Vehikel souverän durch das Chaos. Eine halbe Stunde später sind wir im Hotel.

Wir haben eine Wohnung gemietet, aber die ist die ersten 3 Tage noch belegt. Deshalb überbrücken wir die Zeit im Hotel um die Ecke. Es ist okay – abgesehen davon, dass unsere Kopfkissen offenbar schon lange nicht mehr gewaschen wurden. Wir ziehen sie ab und wickeln unsere großen Schals um die blanken Kissen. Klo und Dusche gehen leicht abschüssig ineinander über, denn es wird oft nass im Bad: Es gibt kein Klopapier, sondern einen Schlauch mit kaltem Wasser neben der Kloschüssel. Wenn man sich mal dran gewöhnt hat, fühlt es sich sogar sauberer und hygienischer an als mit Papier. Die Zähne putze ich mir vorsichtshalber mit Mineralwasser.

Trotz Regenzeit gibt es kaum Mücken. Wir schlafen bei offenem Fenster und lassen die ganze Nacht den Ventilator über unserem Bett kreisen. Das kühlt, schreckt die Mücken ab, und durch das konstante Rauschen wird außerdem der Straßenlärm gedämpft. Wir schlafen erstmal aus.

Wir haben die letzten Juli-Tage Zeit uns einzuleben. Am 1. August beginnen für uns die Yoga-Kurse und das freie Üben am Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute – dem Ort, an dem BKS Iyengar jahrzehntelang gelehrt und praktiziert hat, und wo seine Kinder und seine Enkelin heute noch unterrichten, seine Lehre weitergeben und weiterentwickeln. Das Institut ist nur ein paar Minuten zu Fuß von unserem Hotel entfernt. Wir lassen uns schon mal registrieren. Ein sehr förmlicher Prozess, für den Kopien vom Pass und vom Visum gebraucht werden, die Bestätigung, dass wir überhaupt kommen durften, ein Passbild und ein Dokument vom Hotel. Es kostet mich 590 €, einen Monat lang hier sein zu dürfen. Dafür kann ich von Montag bis Samstag je einen Kurs besuchen, in der großen Übungshalle jeweils 2 – 3 Stunden für mich selbst praktizieren und in so vielen Kursen wie ich möchte zuschauen. Observieren. Das dürfte erst mal reichen, um viel frischen Input mit nach Hause zu nehmen. Es ist schön, endlich an der Quelle des Iyengar Yoga zu sein. An diesem wichtigen und historischen Ort für jeden, der Iyengar Yoga übt und unterrichtet.

Bis es richtig losgeht, erkunden wir die Stadt per Rikscha. Wir spazieren durch den großen Park, der zum Osho Meditationsresort gehört. Wir genießen das tolle indische Essen. Wir gehen shoppen und stürzen uns dafür in ein Getümmel von Menschenmassen, Lärm, Staub, intensiven Gerüchen und grell-bunten Farben. Müll, Abgase, (erstaunlich wenige) Bettler, Kinderverkäufer, Hütchenspieler, aber auch sehr nette und hilfsbereite Menschen. Es ist faszinierend und stressig zugleich. Ich habe im Flieger den Bestseller „Shantaram“ von Gregory David Roberts angefangen, weil er in Bombay spielt – dem heutigen Mumbai, nicht weit von hier. Das Buch reißt mich bis jetzt noch nicht vom Hocker, aber es beschreibt die besondere Atmosphäre in einer indischen Großstadt ganz gut.

Ich bin erstmal angekommen.

Eure Nici

About The Author

Nici

Silvester 2006 habe ich mir Punkt Mitternacht beim Feuerwerk eine Zigarette angezündet und bekam prompt einen Asthmaanfall. So wurde ich zum Nichtraucher - ich hatte ohnehin keinen Bock mehr drauf, zunehmend zum Rauchen vor die Tür geschickt zu werden. Um durchzuhalten und mich abzulenken (und nicht zuzunehmen), begann ich mit Sport und Bewegung. Ich habe viel ausprobiert, aber Yoga hat mich von Anfang an gepackt und nicht wieder losgelassen. Inzwischen bin ich zertifizierte Iyengar Yoga Lehrerin, habe meine Arbeit als TV-Producerin an den Nagel gehängt und ein eigenes Yogastudio eröffnet. Das YogaKraftwerk. Mein ganzer Stolz.

2 comments

  1. Tanja Schuster

    1. August 2018 at 17:23

    Wünsche dir eine schöne Zeit in Indien! Und bin gespannt, was du alles Neues lernst.

  2. Sigrid Tannert

    1. August 2018 at 17:46

    Sehr interessant. Ich freue mich schon auf deinen nächsten Bericht. Damit sind wie immer auf dem Laufenden. Bussi Mama

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