ASANA-PRAXIS

Wozu Yogalehrer?

„Yoga macht man eigentlich alleine“, hat mein Lehrer und ehemaliger Ausbilder Michael Forbes neulich in einem Workshop gesagt. Verrückt, oder? Der Mann hat ein riesiges Studio in München, für das er sehr viel Miete zahlen muss, und eine große Familie. Wenn alle nur noch alleine üben, könnte er sein Studio schließen. Ich meins auch. Trotzdem hat er vollkommen recht und auch ich propagiere gern und oft die eigenständige Yogapraxis und motiviere meine Schüler immer wieder dazu. Denn es ist nochmal etwas ganz anderes, als in einer Klasse angeleitet zu werden.

Welche Möglichkeiten zu üben habe ich überhaupt?

1. Gruppenkurse in einem Yogastudio

Sie sind perfekt, um die grundlegenden Asanas zu lernen. Ein bestenfalls erfahrener und kompetenter Yogalehrer führt durch eine sinnvoll aufgebaute Sequenz und bietet Alternativen und Hilfestellungen an, damit jeder die Haltungen einnehmen kann, ohne sich zu verletzen. Die Übenden werden korrigiert und oft auch zu anstrengenderen Positionen motiviert, die sie alleine wahrscheinlich nie machen würden. Kurse für Fortgeschrittene, weiterführende Workshops oder Seminare vermitteln zudem Wissen über die Asana- und Pranayama-Praxis hinaus, beispielsweise zur Yogaphilosophie, und bieten neue Herausforderungen und Inspirationen auf der Matte.

2. Gruppenkurse in einem Fitnessstudio

Es ist einfach nicht das Gleiche. Ohne die Qualität schmälern zu wollen, die immer vom Lehrer abhängt, ist die Atmosphäre bei einer Yogaklasse im Gym nach meiner Erfahrung anders als in einem Yogastudio. Der Lärmpegel, die Konzentration, die Raumgestaltung, die Ausstattung, …

3. Privatstunden

Schön, wenn man es sich leisten kann, dass sich die ganze Konzentration des Lehrers auf einen richtet. Ich gebe Privatstunden am liebsten, wenn der Schüler damit ein bestimmtes Ziel erreichen möchte: Kopfstand lernen, Verspannungen lösen, die Konzentration schärfen (ich hatte mal eine Bogenschützin), Entspannung finden, …

4. Live-Teilnahme an einer Onlineklasse

Auf diese Weise zu üben ist besser, als ich vor Corona erwartet hätte. Das weiß ich inzwischen aus hunderten Stunden, die ich sowohl aus Schüler- als auch aus Lehrersicht erlebt habe. Anfängern würde ich immer den Besuch im Studio ans Herz legen, aber der Online-Unterricht ist zu einer guten Alternative geworden, wenn man bereits etwas geübt ist. Vorausgesetzt, der Schüler hat seine Kamera eingeschaltet und so positioniert, dass der Lehrer ihn gut sehen kann. Und vorausgesetzt, der Lehrer schaut auch hin …

Interessanterweise hat sich während der Lockdowns, als ich ausschließlich Onlineklassen gegeben habe, mein Fortgeschrittenenkurs gefüllt. Plötzlich haben sich mehr Leute mehr zugetraut, weil die anderen sie nicht sehen konnten, falls sie die anspruchsvolleren Haltungen noch nicht so gut hinbekommen. Heute, da wir auch wieder im Studio üben können, trauen sie sich auch vor Ort. Sie haben inzwischen verstanden, dass wir alle nur auf unserem Yogaweg sind. Keiner ist perfekt. Mit der Asanapraxis wird man eh nie fertig. Es wird immer weitere Herausforderungen geben.

Außerdem haben sich online zu Hause alleine auf der Matte viele Schüler endlich dazu aufgerafft, die Einstiegsmantren zu Beginn jeder Klasse zu lernen und mitzuchanten. Seit dem Lockdown habe ich bei der Invocation am Anfang jetzt oft einen kleinen Chor. Das ist total schön.

Ich unterrichte inzwischen praktisch alle Klassen hybrid, also gleichzeitig vor Ort im Studio und online über Zoom, und ich finde es super. Vor jeder Klasse höre ich das Stimmengewirr von den zwei Gruppen: den Schülern im Raum und denen auf dem Bildschirm, die jeweils fröhlich miteinander plaudern, wenn sie sich schon länger aus dem Unterricht kennen. Wie zwei unterschiedliche Welten, die dann während der Klasse im gleichen Takt schwingen.

Und ich bin auch sehr dankbar für die Möglichkeit, die sich mir durch die Digitalisierung bietet, selbst regelmäßig mit meinen Lehrern und Mentoren in München, Berlin oder Pune in Indien zu üben – ohne meine Wohnung oder mein Studio verlassen zu müssen.

5. Yoga-Videos und Aufzeichnungen von Yogaklassen

Bei einem Video werde ich von einem Lehrer durch eine Sequenz geführt. Ich muss also nicht selber denken und habe mein Workout. Aber das war es dann auch schon. Keiner sieht mich, keiner korrigiert mich, keiner geht auf meine individuellen Belange ein. Friss oder stirb. Kann man machen. Meins ist es nicht.

Wenn ich an einem interessanten Iyengar Yoga Workshop nicht live teilnehmen kann, dann übe und lerne ich schon ab und zu nach der Aufzeichnung, die oft im Anschluss verschickt wird, um es nicht ganz zu verpassen. Aber ich würde jederzeit die Live-Teilnahme bevorzugen.

Nach Videos und Recordings zu yogeln, ist für mich noch lange keine selbstständige Yogapraxis. Die entsteht nur ohne jeden medialen Input, ohne die Anleitung eines Lehrers, alleine auf der Matte:

6. Open Mat

Das gemeinsame, aber selbstständige Üben in einer konzentrierten Atmosphäre habe ich am Yoga-Institut der Familie Iyengar in Pune schätzen gelernt. Jeden Morgen von 9 – 12 Uhr stand uns der große Übungssaal mit all den Hilfsmitteln zur eigenen Praxis zur Verfügung und er wurde rege genutzt. Um die Hundert Yogaübende aus aller Welt, die meisten davon Iyengar Yogalehrer, praktizierten täglich Matte an Matte. Jeder was anderes. Während sich die eine minutenlang wechselweise mal mit dem einen, mal mit dem anderen Bein in den Handstand schwang, lag der andere mit verbundenen Augen und vielen Hilfsmitteln in komplexen Entspannungshaltungen. Wieder andere hingen kopfüber von der Decke oder übten Stehhaltungen. Und ich mittendrin. Es war großartig. Jeden Donnerstagmorgen, von 10.30 bis 12 Uhr, habt ihr deshalb auch im YogaKraftwerk die Möglichkeit dazu.

7. Üben nach einer schriftlichen Sequenz

Das mache ich oft und gern. Ich sammle Sequenzen wie andere Leute Kochrezepte oder Strickmuster. Sowohl meine eigenen, als auch altbewährte von den Iyengars oder neu entwickelte von meinen Iyengar Yoga Kollegen, die wie ich in den Sozialen Medien aktiv sind und ihre Übungspraxis teilen. Meine Lieblingssequenzen kann ich inzwischen auswendig, aber häufig habe ich ein Blatt mit einer Sequenz neben meiner Matte liegen und nutze die Abfolge als roten Faden. Spüre hinein, beobachte und individualisiere.

8. Üben nach Intuition

Die Königsdisziplin. Freestyle. Ist mir früher extrem schwergefallen, habe ich aber in Pune schätzen gelernt. Dazu checke ich zunächst die Gegebenheiten: Wie geht es mir? Welche Art von Praxis würde mir jetzt guttun? Was möchte ich verbessern? Wieviel Zeit habe ich? Und – falls ich nicht in meiner vertrauten Umgebung bin – was steht mir an Hilfsmitteln zur Verfügung? In aller Regel habe ich einen groben Plan oder zumindest eine Idee oder Peakpose, wie zum Beispiel Hanumanasana, den Spagat. Und dann übe ich intuitiv, probiere aus, gehe tiefer und weiter: eine einladende Einstiegshaltung, vorbereitende Asanas, die die Stellen aufwärmen, die für die Peakpose gebraucht werden, diverse (vorbereitende) Varianten der Zielhaltung bis hin zur klassischen Asana und danach ausgleichende, beruhigende Haltungen, die schließlich in die Endentspannung übergehen.

Alleine zu üben ist für die persönliche Entwicklung auf dem Yogaweg meines Erachtens irgendwann unerlässlich. Aber ich möchte auch die Arbeit mit meinen Lehrern nicht missen.

Das sind die wesentlichen Unterschiede:

Yogaklasse Alleine üben
Fester TerminMuss mich alleine motivieren
Lehrer sagt Sequenz anMuss mir alleine was ausdenken
Werde korrigiertKann in mich hineinspüren
Werde inspiriert, lerne dazuKann ausprobieren & kreieren
Sequenz für alleÜbe, was ich grad brauche
Lehrer achtet auf die ZeitenMuss Haltungen selber austimen
Übe auch, was mir nicht gefälltVernachlässige ggf. Hass-Haltungen
Social EventMe-Time
Lasse mich berieselnKann mich besser konzentrieren

Die Mischung macht’s. Wie so oft. Wer nur alleine übt, läuft Gefahr, sich eine fehlerhafte Ausrichtung anzugewöhnen, die früher oder später zu körperlichen Problemen führen kann (z.B. im Kopfstand) und die nur schwer wieder abzulegen ist. Oder man neigt dazu, alleine immer das Gleiche zu machen. Die richtigen Lehrer bringen frischen Wind in meine Praxis, bringen mich auf neue Ideen. Wer aber immer nur einer angeleiteten Sequenz folgt, der hat den wahren Schatz einer Asanapraxis noch gar nicht entdeckt.

Wenn du lernen möchtest, selbstständig zu üben, aber dich bislang eher hilflos allein auf deiner Matte fühlst, dann melde dich bei mir. Ich unterstütze dich gern auf deinem Yogaweg zu einer regelmäßigen, erfüllenden Praxis.

Deine Nici

WAS YOGA KANN

Yoga gegen Asthma

Die heftigen Attacken sind bei mir selten. 1 – 2x im Jahr. Sie kommen immer nachts und immer vermeintlich aus dem Nichts. Wenn kein Spray mehr hilft, gehe ich ins Bad, lege meine Unterarme in eiskaltes Wasser und warte keuchend ab. Es ist beängstigend, nicht richtig atmen zu können. Wenn die Atemwege so angeschwollen und verkrampft sind, dass keine Luft mehr durchgehen will. Aber damit bin ich aufgewachsen und deshalb bleibe ich dabei ziemlich ruhig. Nach einer furchtbaren halben Stunde wird es in aller Regel allmählich besser und irgendwann kann ich wieder ins Bett und weiterschlafen. Doch jetzt ist alles anders.

Dieser Sommer hat es in sich. Der starke Pollenflug, die Hitze – und der Tod meines Vaters (Trauer schwächt die Lungen) haben mir zweimal regelrecht den Atem verschlagen. Beim ersten Mal hab ich mitten in der Nacht 4 Stunden lang um Luft gerungen, bis ich endlich in der Lage war, den Notruf zu wählen. Und selbst dann hat es nochmal Stunden gedauert, bis ich trotz Kortison, Sauerstoff, Magnesium und was weiß ich noch alles auf der Intensivstation wieder normal atmen konnte. Das zweite Mal hab ich nicht so schlimm in Erinnerung, denn ich bin bei diesem Anfall nach wenigen Minuten in eine CO2-Narkose gefallen. Und das ist eigentlich viel beunruhigender. Wenn mein Freund nicht zufällig da gewesen wäre und wenn er nicht gehört hätte, wie ich im Bad zusammengerutscht bin, könnte ich wohl nicht mehr darüber schreiben. Doch so war ich nach nur 3 Wochen erneut auf der Intensivstation: Künstliches Koma, künstliche Beatmung,… Als ich am nächsten Morgen dort aufgewacht bin, war ich wieder fit. Dennoch: Mein „nicht kontrolliertes allergisches Asthma bronchiale“ ist lebensgefährlich und deshalb darf es laut meiner Lungenärztin einfach nie wieder soweit kommen.

Seit den beiden Vorfällen kreisele ich vor allem um mich selbst, lese, experimentiere und sauge alles auf, das die Lungen stärken hilft. Aus professioneller Sicht ist es total spannend. Krankheiten können dich zu einem besseren Yogalehrer machen, wenn du lernst, damit umzugehen.

Asthma ist sehr individuell. Die Ursachen und die Symptome können ganz unterschiedlich sein. Genau wie die Möglichkeiten, sich neben den notwendigen prophylaktischen und Notfall-Medikamenten selbst zu helfen. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten.

Wieder ist es meine Yogapraxis, von der ich am meisten profitieren kann – und der Fakt, dass ich mich einst für Iyengar Yoga entschieden habe:

  • Sehr erfahrene Iyengar Seniorteacher wie Lois Steinberg haben Sequenzen für das Atmungssystem entwickelt. Sie unterstützen in Zeiten von Corona vor allem Schüler und Lehrer der Iyengar Yogaszene, die sich von Covid oder sogar Long Covid erholen, bei der Regeneration. Davon profitiere ich jetzt auch, wenn ich danach übe.
  • BKS Iyengar hat in seinem Klassiker „Licht auf Yoga“ Sequenzen gegen eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen in den Anhang gestellt. Darunter eine für Asthmatiker.
  • Und auch in seinem Werk „Yoga – Der Weg zu Gesundheit und Harmonie“ bin ich fündig geworden: Hier schlägt er eine Sequenz bei Atemnot vor (siehe Titelbild).

In all diesen Abfolgen von Haltungen spielen Umkehrungen eine große Rolle. Kopfstand gegen Asthma – echt jetzt? Vielleicht nicht gerade bei einer akuten Attacke, aber bei leichteren Beschwerden und vorbeugend allemal, wenn man geübt ist. Mir tut es tatsächlich gut – und inzwischen weiß ich auch, warum:

Wenn ich unter Atemnot leide, ist es besonders die Ausatmung, die mir schwerfällt. Deshalb bin ich auch bewusstlos geworden. Ich hatte zu viel Kohlendioxid im Blut (Hyperkapnie). Der normale CO2-Partialdruck liegt bei maximal 40 mmHg, bei mir waren es 127. Ich muss mich bei meiner Selbstfürsorge demnach auf die Ausatmung konzentrieren. Fakt ist, während sich bei der Einatmung das Zwerchfell in den Bauchraum dehnt, entspannt es sich bei der Ausatmung zurück zum Brustraum. Entgegen der Gravitation – außer ich stehe auf dem Kopf. Die Schwerkraft erleichtert also die Ausatmung in Umkehrhaltungen. Und das spüre ich auch.

Auch beim Pranayama fokussiere ich gerade nur die Ausatmung:

  • Ujjayi mit bewusster, ruhiger, gleichmäßiger, sanfter, verlängerter Ausatmung
  • Viloma mit mehrmals unterbrochener Ausatmung
  • Bahya Kumbhaka – das Anhalten des Atems nach vollständiger Ausatmung
  • Bhramari – Summen bei der Ausatmung

Schließlich wird auch von Ärzten bei Asthmaanfällen die sogenannte Lippenbremse empfohlen, das langsame Ausatmen durch fast geschlossene Lippen. Eine verlängerte Ausatmung hat zudem eine sehr beruhigende Wirkung. Und jeder Asthmatiker weiß, dass Angst die Symptome nur verschlimmert.

Auch wenn ich mich mal nicht extra dafür auf die Matte setze, achte ich jetzt verstärkt auf meine Atmung. Nach Barbara Benagh kann man dabei ganz schön viel falsch machen. Sie ist eine Iyengar Yogalehrerin, die selbst an Asthma leidet und den positiven Einfluss von Yoga auf Atemprobleme an sich selbst regelrecht erforscht hat. Benagh, die sich auch viel mit der Buteyko-Methode beschäftigt hat, zählt 6 häufige falsche Atemgewohnheiten auf, die sich jeder, aber besonders Asthmatiker abgewöhnen sollten:

  • Nur in den oberen Brustraum atmen und dabei den unteren Teil der Lungen zu wenig mit Sauerstoff zu versorgen
  • Stärker ein- als ausatmen
  • (Unbewusstes) Luftanhalten nach der Einatmung
  • Mundatmung statt durch die Nase, die die Luft filtert, anwärmt und befeuchtet
  • Paradoxes Atmen (wenn sich das Zwerchfell bei der Einatmung hebt und bei der Ausatmung in den Bauchraum dehnt – statt andersherum)
  • Überatmen, die Tendenz zu Hyperventilieren, also eine hohe Anzahl von Atemzügen pro Minute

Meine Lungenärztin ist toll und hat sich viel Zeit für mich genommen. Aber als ich ihr von meinen Atemtechniken erzählen wollte, hat sie komplett dichtgemacht. Ich glaube, sie hat mich für so eine Yoga-Trulla gehalten, die die Schulmedizin verschmäht und sich nur selbst heilen will. Dabei bin ich davon weit entfernt. Ich weiß, dass ich die Schulmedizin brauche. Ohne das Kortison-Spray, das ich immer noch täglich prophylaktisch nehmen soll, hätte ich im Moment nachts alleine Angst. Aber ich glaube, dass sich Schulmedizin und alternative Heilmethoden gut ergänzen und unterstützen können. – Nachdem die Ärztin so abgeblockt hat, habe ich mich allerdings auf keine Diskussion eingelassen und ihr gar nicht erst erzählt, was ich sonst noch so mache… 😉

  • EFT oder Tapping – das Aktivieren der Hauptmeridiane, unter anderem des Lungenmeridians. Ein bisschen wie Akupunktur, nur durch Klopfen. Und man kann es selbst machen
  • Ätherische Öle: Ich diffusere zur Zeit vor allem Mischungen mit Thymian und Eukalyptus, um das Atmen zu erleichtern
  • Meditieren – auch da konzentriere ich mich auf eine sanfte, ruhige Atmung
  • Ausdauersport – joggen fällt mir grad schwer, deshalb bin ich auf Schwimmen (wir haben ein Solefreibad!) und Radfahren umgestiegen

Und auch hier habe ich recherchiert und von Dr. Georg Weidinger, einem TCM-Experten und asthmatischen Ausdauersportler, dazugelernt: Ich kann wieder anfangen zu laufen, wenn ich es anders angehe als bisher. Normalerweise falle ich aus der Haustür und renne los. 7 – 15 km von Haustür zu Haustür. Keine Aufwärmung, kein Auslaufen. Und das ist offenbar falsch. Die letzten Male diesen Sommer kam ich damit maximal 1 km, dann blieb mir die Luft weg. Weidinger meint, ich sollte mit Gehen und immer schnellerem Gehen beginnen, so dass ich schon ein bisschen ins Schwitzen gerate, bevor ich anfange zu rennen. Das habe ich heute Morgen ausprobiert. Und es hat geklappt! 1 km gehen, 5 km laufen, 1 km gehen. Ich freu mich total. Denn ich habe mich vor dem ganzen Drama zu einem 10-Kilometer-Lauf mit Hindernissen angemeldet, der in ein paar Wochen stattfindet. Den habe ich noch nicht abgeschrieben…

PS: Wenn du auch Atemprobleme hast, versuche dir nicht selbst Umkehrhaltungen beizubringen, um die teils sehr fortgeschrittenen Sequenzen zu üben. Melde dich bei mir, komm ins YogaKraftwerk oder geh zu einem anderen erfahrenen Iyengar Yogalehrer in deiner Umgebung, um dir helfen zu lassen. Es lohnt sich.

MEINE FAMILIE

Yoga & Ayurveda bei Traurigkeit

„Du darfst nicht weinen, wenn du uns besuchen kommst“, hat mir die Lebensgefährtin meines Vaters eingeschärft, kurz nachdem wir von seiner tödlichen Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erfahren haben. „Das verkraftet er nicht.“ Aber wie kann man verhindern bitterlich zu weinen, wenn einem der Arsch voll Tränen steht? Ich wollte mich ihm zuliebe zusammenreißen, hab eine Beruhigungstablette genommen, mich mit Lavendel eingeschmiert und sogar recherchiert, wie ich Tränen unterdrücken kann (die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger fest drücken). Es hat geklappt, obwohl mein Papa seit unserem letzten Treffen nur wenige Wochen zuvor bestimmt 15 kg verloren hatte und sichtlich geschwächt war. Es hat mir das Herz gebrochen, ihn so schnell schwinden zu sehen, aber ich hab nicht geweint. Zumindest nicht in seiner Gegenwart.

Seine erste Frage an mich war, ob ich seine Musikliste parat habe. Papis Playlist… Vor etwa 15 Jahren hatte sich mein Vater von mir eine selbst gebrannte CD mit all seinen Lieblingsliedern gewünscht. Von den vielen coolen Songs aus seiner Jugendzeit, die auf dem handgeschriebenen Zettel standen, waren 4 rot angekreuzt:

  • The Lords „Poor Boy“
  • The Rolling Stones „Paint it, Black“
  • The Byrds „Mr. Tambourine Man“
  • The Moody Blues „Nights in White Satin“

Die sollten später mal auf seiner Beerdigung gespielt werden. Er hat mich seither immer wieder daran erinnert und ich wusste immer, wo die Playlist abgelegt war. Was sich über viele Jahre zum Running Gag zwischen uns entwickelt hatte, wurde nun sprichwörtlich todernst. „Manch einer wird das lächerlich finden. Aber für mich ist das wirklich wichtig.“ Als ob ich das nicht wüsste.

Die Ärzte gaben ihm noch ein paar Monate. Er hat die Zeit genutzt, um ein paar bürokratische Sachen zu regeln, seinen 71. und damit letzten Geburtstag zu feiern und sich dabei von seinen engsten Freunden und der Familie zu verabschieden, Zwist beizulegen und Frieden zu finden – und eben die eigene Beerdigung zu organisieren. Mein Vater hat seine Trauerrednerin selbst ausgesucht und sogar das Gasthaus organisiert, in dem im Anschluss die Trauergemeinde zusammenkommen sollte. Nur 3 Wochen nach der Diagnose war er tot. Ich kann es immer noch nicht fassen.

Gestern war die Trauerfeier. Unglaublich persönlich, cool, schmerzhaft und gleichzeitig wunderschön. Genau, wie er sie haben wollte…

In einer solchen Zeit des Ausnahmezustandes, in der alles unwirklich und vieles nichtig erscheint, hält mich die Yogapraxis über Wasser. Ich kann mich nicht immer dazu aufraffen, aber sie beruhigt und erdet mich und bringt mich schließlich wieder in Spur. Mir hilft vor allem das längere Verweilen in Umkehrhaltungen und eine ruhige, aber intensive und fordernde Sequenz, um das Gedankenkarussell zu stoppen und Kraft zu schöpfen. David Jacobs hat eine „Iyengar Yoga Sequenz bei Trauer“ geteilt, die einst Geeta Iyengar unterrichtet hat. Sie ist eigentlich auf 3 Stunden angelegt. Eine komprimierte Version davon war genau das, was ich gebraucht habe:

  • 10 min Setu Bandha Sarvangasana über ein Querbolster (gestützte Schulterbrücke)
  • 4x 30 sec Adho Mukha Vrksasana (Handstand)
  • 10 min Dwi Pada Viparita Dandasana über Stuhl, Beine hüfthoch parallel zum Boden (gestützte Rückbeuge)
  • Bharadvajasana auf dem Stuhl (Drehhaltung)
  • 4x 30 sec Adho Mukha Vrksasana (Handstand)
  • 7 min Rope Sirsasana oder Salamba Sirsasana (kopfüber im Seil hängen oder Kopfstand)
  • 10 min Sarvangasana über Stuhl (Stuhl-Schulterstand)
  • 5 min Halasana über Stuhl (Pflug)
  • 5 min Supta Virasana (zwischen Füßen sitzen und zurücklegen)
  • Je 5 min Supta Svastikasana (liegen mit gekreuzten Beinen)
  • 10 min Supta Baddha Konasana (liegen mit Fußsohlen zusammen, Knie auseinander)
  • 10 min Savasana auf dem Bolster (Endentspannung)

Pranayama:

  • 3 Zyklen Ujjayi
  • Viloma I & II

Auch der Ayurveda gibt mir für besondere Zeiten eine Menge Werkzeuge in die Hand: Es sind die kleinen Routinen, die ich mir im Laufe der Jahre angewöhnt habe, die mir Halt und meinem Tag einen guten Start geben – auch wenn es hart wird. Warmes Wasser am Morgen, Ölziehen, Zunge schaben, Nasenspülung. Dauert alles in allem nur ein paar Minuten und spült alles Übel raus. Ich bin nicht perfekt und gerade beim Essen auch oft total maßlos. Aber ich weiß, wie ich den Schalter wieder umlegen kann, bevor es mich völlig runterzieht: Porridge am Morgen, Essenpausen von 4-5 Stunden zwischen den Mahlzeiten, viel grünes Gemüse, Ingwer, Zimt, Kardamom, Kurkuma. Kein Brot, keine Milchprodukte, nix Süßes. Moderat wäre es in Ordnung, aber moderat kann ich nicht.

Yoga & Ayurveda dienen in vielerlei Hinsicht der Prävention, doch sie schützen uns letztendlich auch nicht vor Schicksalsschlägen, Verlust oder Krankheit. Sie helfen im Umgang damit. Die regelmäßige Praxis in guten Zeiten schenkt uns Wissen und Routinen, mit denen wir uns in schlechten über Wasser halten können. Was für ein wertvoller Schatz.

Und wenn auch das nicht reicht, beginne ich zu schreiben…

FAVORITENLISTE

Meine Top 5 Yoga-Bücher

Zunächst möchte ich mal dazu kommen, welches Buch bei mir definitiv nicht in diese Liste gehört: die „Autobiographie eines Yogi“ von Paramahansa Yogananda. Dieser Klassiker der spirituellen Yogaliteratur von 1946 wurde weltweit millionenfach verkauft. Dazu habe ich auch meinen Beitrag geleistet: Ich habe das Buch insgesamt dreimal gekauft. Das erste Mal aus purer Neugierde. Ich lese normalerweise jedes Buch zu Ende, aber hier bin ich nicht über das erste Drittel hinausgekommen. Ich habe es wieder verkauft. Aber damit war es nicht aus meiner Welt verschwunden. Empfehlungen, Rezensionen, Interviews mit Yogaübenden – die Bedeutung dieser Autobiographie wird immer wieder hervorgehoben. Und so habe ich es mir ein zweites Mal gekauft. Es steht immer noch in meinem Regal. Wie neu. Total unbenutzt. Sogar für Steve Jobs war es das wichtigste Buch seines Lebens. Er hat es einmal im Jahr durchgelesen! Es war das einzige Buch, das er sich auf seinem iPad heruntergeladen und so immer bei sich hatte. Ich würde gern wissen, warum, und habe es mir deshalb ein drittes Mal gekauft. Diesmal als Hörbuch, gelesen von Robert Atzorn. Ich dachte, ich kriege es endlich durch, wenn ich es beim Joggen höre. Andere Bücher und Podcasts haben mir das Joggen erleichtert. Sie haben mich so gefesselt, dass das Laufen von ganz alleine ging. Manchmal bin ich nur gelaufen, um das Hörbuch weiter zu hören. Bei der „Autobiographie eines Yogi“ war das Gegenteil der Fall. Ich habe etwa die Hälfte des Hörbuches geschafft. Jeder Lauf hat mich seither doppelt Überwindung gekostet. Inzwischen war ich schon seit Wochen nicht mehr joggen. Ich glaube, ich werde dieses Buch nie zu Ende lesen. Damit möchte ich die Bedeutung dieses Werkes gar nicht schmälern. Es ist einfach nicht meins.

Yoga ist immer auch spirituell. Ich bin mit der Yogaphilosophie vertraut, aber meine Leidenschaft ist die 3. Stufe des Yogapfades: die Asana-Praxis. „Meditation in Action“, wie BKS Iyengar sie bezeichnet hat. Das trifft es für mich auf den Punkt. Und so konzentrieren sich auch meine Top 5 an Yogaliteratur vor allem auf die diversen Yogahaltungen, ihre Ausrichtung und ihre Wirkung.

1. BKS Iyengar „Licht auf Yoga“

„Licht auf Yoga“ ist mein allerwichtigstes Nachschlagewerk, mein bestes Übungsbuch, meine allererste Empfehlung, wenn mich jemand nach Yogabüchern fragt. Ich habe sogar zwei Exemplare davon. Eins im Studio und eins zu Hause. Beide hab ich fast täglich in der Hand. Die Ausgabe im Studio ist schon total zerfleddert, voller Lesezeichen und Notizen. „Licht auf Yoga“ war rein zufällig mein allererstes Yogabuch. Ich habe wegen dieses Buches und unter Anleitung dieses Buches angefangen Yoga zu üben. Yogakurse, Videos, etc. kamen erst später. Noch heute übe ich meist mit einer schriftlichen Sequenz neben der Matte oder einer Idee im Kopf, wenn ich alleine praktiziere, so gut wie nie nach einem Video.

BKS Iyengar hat „Licht auf Yoga“ 1966 geschrieben. Es war sein erstes Buch und doch symbolisiert es für mich gleichzeitig sein Lebenswerk. Iyengar hat die Asanas kategorisiert und katalogisiert. Er hat jede einzelne Haltung in unglaublich vielen Übungsstunden studiert, die richtige Ausrichtung erspürt und präzise Worte dafür gefunden, um andere genauso extakt in die Asana zu bringen. Ich habe viele ganz unterschiedliche Yoga-Bücher (Bücher und Yogahosen sind meine Schwäche, da finde ich keinerlei Maß…), doch in keinem anderen Buch sind die Asanas so faszinierend exakt ausgeführt. Damals war er 47 Jahre alt – und hatte selbst noch lange nicht ausgelernt. Es gibt Fotos und Videos von ihm aus viel späteren Jahren, auf denen er sogar noch besser ausgerichtet ist. In einem Alter, in dem die meisten anderen froh sind, wenn ihnen nichts wehtut.

„Licht auf Yoga“ beginnt mit einer kurzen Einführung in die Yogaphilosophie und stellt dann 200 Asanas in Wort und Bild vor: mit Sanskrit-Namen, der Übersetzung, dem Weg in die Haltung und der jeweiligen Wirkung. Hinzu kommen ein Kapitel über die Pranayama-Praxis und im Anhang eine lange Reihe von Sequenzen für Anfänger, Übende und Fortgeschrittene sowie gegen diverse Beschwerden.

2. Geeta Iyengar „Yoga für die Frau“

Geeta ist BKS Iyengars älteste Tochter und sie war in seinen Augen der vielleicht einzige Mensch, der seine Art zu praktizieren vollkommen verinnerlicht hatte. Dennoch hat sie den Iyengar Yoga auf ihre ganz eigene Art geprägt: Geeta Iyengar hatte einen Doktortitel in Ayurveda und ergänzte die Asanapraxis um dieses Wissen. Vor allem hinsichtlich der Frauengesundheit. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich 2018 die Möglichkeit hatte, sie selbst und ihre berühmte Women’s Class in Pune mehrmals mitzuerleben. Jeden Mittwoch und Samstag hat sie 2 Stunden am Vormittag Schüler aus aller Welt unterrichtet und dabei auf zyklusgerechtes Üben geachtet – übrigens keine reine Frauenklassen. Die Männer waren wie alle Teilnehmer meist selbst Yogalehrer, die dieses Wissen an ihre Schülerinnen weitergegeben haben. Die Women’s Class gibt es immer noch und wird immer an Geeta erinnern, die Ende 2018 verstarb.

„Yoga für die Frau“ hat sie 1983 geschrieben. Neben yogaphilosophischen Einblicken und der Beschreibung und Anleitung von vielen Asanas, geht sie vor allem auf die gesundheitlichen Aspekte und die „3 Meilensteine“ im Leben einer Frau ein: Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre. Die Haltungen sind in Gruppen (Vorwärtsbeugen, Rückwärtsbeugen,…) zusammengefasst und das Buch ist gespickt mit Sequenzen, um die Asanas systematisch zu erlernen und um die besonderen Zeiten im Leben einer Frau durch die Yogapraxis zu unterstützen.

3. BKS Iyengar „Yoga for Sports“

Ja, die Liste ist ein bisschen Iyengar-lastig, Iyengar Yoga hat mich in meiner Yogapraxis einfach am meisten geprägt. „Yoga for Sports“ ist das letzte Buch von BKS Iyengar. Es wurde 2015 posthum veröffentlicht.

Es ist nicht nur ein besonders schön aufgemachtes Werk, es zeigt auch, wie sehr die Asanapraxis Hobby- und Profisportlern helfen kann. Iyengar hat mit vielen Sportlern – insbesondere aus der Cricketszene, dem indischen Nationalsport – gearbeitet. Das Buch ist voller Sequenzen, mit denen man Kraft, Geschwindigkeit oder Beweglichkeit in bestimmten Bereichen, aber auch die Konzentration vor Wettbewerben verbessern kann oder die zur schnelleren Regeneration danach beitragen. Für manche Übungsserien braucht man ein gut ausgestattetes Iyengar Yogastudio mit all seinen Hilfsmitteln oder zumindest genug Erfahrung, um entsprechende Alternativen zu finden. Andere kann man direkt vor dem Match auf dem Sportplatz ausüben. Es gibt sogar Asanareihen, die die Sportler im Teambus auf dem Weg zum Veranstaltungsort üben können oder die eine schnelle Anpassung an Klima- und Zeitzonenwechsel ermöglichen.

4. Judith Lasater „30 Essential Poses“

Die Amerikanerin Judith Lasater war einst Schülerin von BKS und Geeta Iyengar und hat sich dann auf ihren eigenen Yogaweg, besonders die therapeutischen Aspekte des Yoga, konzentriert. Dieses Buch ist für Yogalehrer und -schüler und auch für Anfänger geeignet. Sie beschreibt darin 30 wichtige Yogahaltungen und mögliche Variationen und betont dabei die notwendigen Ausrichtungspunkte. Die 30 Asanas hat sie im hinteren Teil des Buches zu Foto-Sequenzen mit verschiedenen Schwerpunkten und darüber hinaus sieben Sequenzen für eine ganze Übungswoche zusammengestellt.

5. Dona Holleman „Dancing the Flame of Life“

Auch Dona Holleman ist eine direkte Schülerin von BKS Iyengar. Sie hat in den 60ern ganze Jahre mit ihm verbracht, später in Holland, England, Amerika und Italien unterrichtet und auf dieser Basis und aus ihrer eigenen intensiven Yogapraxis heraus ihren eigenen Stil „Centered Yoga“ entwickelt. Ihre acht Prinzipien der Übungspraxis für die anatomische Ausrichtung und Öffnung des Körpers in den Haltungen stellt sie in mehreren Büchern vor, unter anderen in diesem. In „Dancing the Flame of Life“ beschreibt sie eine Vielzahl von einfachen bis sehr fortgeschrittenen Asanas, sortiert in Gruppen. Und sie verrät uns auch ihre Vorstellung von einem guten Lehrer: Er hat – und das Wort entlehnt sie tatsächlich dem Deutschen – Schwung! Ein Lehrer mit Schwung kann in seinen Schülern den nötigen Enthusiasmus hervorrufen, um sich in seiner Praxis weiterzuentwickeln.

Dona Holleman hat vier bis fünf Stunden täglich geübt! Ihr dennoch unverklärter Blick auf den Yoga ist erfrischend: Du wirst kein besserer Mensch, nur weil du Yoga übst. Yoga kann für die Entwicklung eines Menschen genauso wichtig sein wie Radfahren oder Reiten – auch eine ihrer Leidenschaften. Du veränderst dich immer nur von innen, weil du etwas erreichen willst. Nicht, weil du plötzlich Yoga übst.

Nach 40 Jahren intensiver Yogapraxis hat Dona Holleman damit komplett aufgehört und sich vor allem dem Reiten gewidmet. 40 Jahre Yoga waren ihr genug.

Meine Bücher – deine Bücher

Meine Top 5 sind natürlich subjektiv, alles andere wäre vermessen. Sie entsprechen meinem Interesse und ich nehme sie gern und oft zur Hand. Aber ich freue mich auch immer über Empfehlungen von anderen. Welche Bücher haben dich geprägt und inspiriert? Welche Top 5 stehen auf deiner Favoritenliste? Welches ist dein liebstes Yoga-Buch? Und vor allem: Warum?

YOGA-EVENTS

Übungssequenz YogaWorld Stuttgart 2019

„Yoga & Ayurveda“ war das Thema der Klasse, die ich in diesem Jahr auf der YogaWorld Stuttgart gegeben habe.

Die beiden Schwesterndisziplinen haben den gleichen vedischen Ursprung und ergänzen sich wunderbar: Der Ayurveda sorgt für einen gesunden Körper, der Yoga für einen ruhigen Geist. Beides greift ineinander über.

Ich wünsche mir, dass meine Schüler den Yoga richtig anwenden lernen. Dass sie sich das Beste daraus ziehen für ihr Wohlbefinden. Dass sie lernen solche Asanas oder Atemtechniken für sich zu üben, die ihnen in dem jeweiligen Moment gut tun. Wer ein gutes Körpergefühl hat, macht das wahrscheinlich intuitiv. Manchmal ist man einfach zu schwach für alles, was über eine regenerative Praxis hinaus geht. Und ein anderes Mal viel zu unruhig, um minutenlang still in einer sitzenden Vorbeuge zu verweilen. Wer es genauer wissen will, dem ist der Ayurveda eine große Hilfe dabei. Das Wissen über die ayurvedischen Doshas, die 3 Bioenergien Vata, Pitta und Kapha, kann unsere Yogapraxis sehr bereichern und Dysbalancen ausgleichen.

Wir alle werden von den drei Doshas geprägt: unser Aussehen, unser Charakter, unsere Talente, unsere Eigenheiten. Je nach dem, welches oder welche Doshas bei uns persönlich besonders prägnant sind.

Der Vata-Typ

Die Vata-Konstitution ist besonders leicht, beweglich, kalt und trocken. Wie der Wind. Denn sie setzt sich aus den Elementen Luft und Äther zusammen. Das zeigt sich in einem leichten Körperbau und einem agilen Wesen. Die Vatas unter uns bewegen sich gern, reden gern, sind sehr aufgeschlossen und kreativ. Sie sprudeln vor neuen Ideen. Sie haben oft trockene Haut und kalte Füße.

Wenn das Vata übersprudelt und außer Balance gerät, dann verzetteln sich diese Typen schnell, werden nervös und gestresst und kommen vor lauter Ideen nicht in die Umsetzung. Das führt zu Selbstzweifeln und Unsicherheit. Vatas brauchen Struktur und Erdung.

Nach meiner Erfahrung sind die Vatas in der Yogawelt recht verbreitet und lieben vor allem Vinyasa Sequenzen.

Der Pitta-Typ

Das Pitta-Dosha wird vor allem durch das Element Feuer geprägt. Die Pittas sind die Macher unter uns. Die Chefs. Diejenigen, die den Ton angeben. Sie sind ehrgeizig und zielstrebig. Ihr inneres Feuer sorgt für eine gute Verdauung. Sie brauchen viel zu Essen – und wenn sie es nicht bekommen, werden sie ungemütlich. Ihnen ist meistens warm. Es sind eher athletische Typen, die sich gern mit anderen messen. Sie joggen nicht nur, sie trainieren gleich für einen Marathon.

Wenn das Pitta sprichwörtlich überkocht, dann neigen sie zu Wutausbrüchen, Verspannungen, Entzündungen, Bluthochdruck, Sodbrennen oder Magengeschwüren. Pittas müssen überschüssige Energie abbauen – ohne falschen Ehrgeiz – und brauchen zudem Ruhe und Erdung.

Ich habe den Eindruck, dass unter den Ashtanga, Iyengar und Power Yogis viele Pittas zu finden sind.

Der Kapha-Typ

Das Kapha-Dosha wird von den Elementen Erde und Wasser bestimmt. Das sind nährende, lebenspendende Elemente. Demzufolge sind die Kaphas auch gute Nährstoffverwerter. Sie brauchen nicht viel, um Nährstoffe aufzunehmen. Kapha-Typen haben daher oft eine sehr schöne Haut, volles Haar, volle Lippen, große strahlende Augen – und ein bisschen Übergewicht. Denn sie sind auch die größten Genießer unter uns. Sie fahren gern jedes Jahr zum gleichen Urlaubsort und bestellen im Restaurant das, von dem sie schon wissen, dass es schmeckt. Die Kaphas sind sehr soziale Wesen, sie kümmern sich um andere.

Wenn sich zu viel Kapha ansammelt, kann die Gelassenheit des Kapha-Typen in Trägheit und Lethargie umschlagen. Die Schwere der Elemente Erde und Wasser kann sich auch aufs Gemüt legen und sie depressiv machen. Kaphas müssen den Körper in Schwung bringen. Sie brauchen Leichtigkeit.

Nach meiner Beobachtung lieben Kaphas Yin oder Restorative Yoga. Aber gerade sie brauchen die Erdung dieser Praxis am wenigsten. Sie sollten eher ihr Herz-Kreislauf-System anregen.

Na, habt Ihr Euch in einem der Dosha-Typen erkannt?

Eine Sequenz für alle Typen

Natürlich werden wir nie nur von einem Dosha bestimmt, auch wenn es noch so markant sein sollte. Wir alle tragen zu unterschiedlichen Anteilen alle Doshas in uns. Es geht eher darum, welches Dosha im Moment außer Balance ist. Ganz unabhängig davon, ob das unsere prägnanteste Bioenergie ist. Fühlen wir uns unsicher und nervös? Dann sollten wir Vata-ausgleichend üben. Stehen wir zu sehr unter Strom, sind unschwellig aggressiv und ungeduldig? Fühlen wir uns total verspannt? Dann sollte das Pitta gedämpft werden. Eine auspowernde Praxis würde es eher noch mehr steigern. Oder kriegen wir grad den Arsch nicht hoch? Fühlen wir uns müde und schwer? Dann sollten wir Kapha abbauen.

In einer Yogaklasse kommen sämtliche Typen und all ihre möglichen Dysbalancen zusammen. Mit einer ausgewogenen Sequenz kann man jedoch auf ALLE Doshas ausgleichend wirken:

Wir beginnen am Boden, denn hier holen wir auch die gemütlichen Kaphas ab. Man kann den inneren Schweinehund eher überwinden, wenn die Yogapraxis im Sitzen oder Liegen beginnt. Wir mobilisieren die Wirbelsäule und arbeiten uns so langsam nach oben zum Stehen.

  • Swastikasana / Schneidersitz
    • Parsva Swastikasana / Drehung im Schneidersitz
    • Adho Mukha Swastikasana / Vorwärtsstreckung im Schneidersitz
  • Adho Mukha Virasana / auf den Fersen sitzen, Knie auseinander, Vorwärtsstreckung
    • Parsva Adho Mukha Virasana / mit den Händen zur Seite wandern
    • Parivrtta Adho Mukha Virasana / einen Arm unter dem anderen durchstrecken für eine Drehung
  • Adho Mukha Svanasana / Herabschauender Hund
  • Uttanasana, mattenbreit / Vorbeuge im Stehen
  • Tadasana / Berghaltung, aufrecht stehen

Jetzt wollen wir das Herz-Kreislauf-System anregen und etwas Schwung in den Körper bringen. Das gibt den Kaphas mehr Leichtigkeit, und die Vatas und die Pittas können sich jetzt ein bisschen austoben, um später besser zur Ruhe zu kommen.

  • Surya Namaskar / der Sonnengruß
    • Namaskarasana in Tadasana / Berghaltung mit Gebetshänden vor der Brust
    • Einatmen: Urdhva Hastasana / Arme weit nach oben
    • Ausatmen: Uttanasana / Vorbeuge im Stehen
    • Einatmen: nach hinten schreiten oder springen
    • Ausatmen: Adho Mukha Svanasana / Herabschauender Hund
    • Einatmen: Urdhva Mukha Svanasana / Heraufschauender Hund
    • Ausatmen: Chaturanga / Arme beugen in den Stütz
    • Einatmen: Urdhva Mukha Svanasana / Heraufschauender Hund
    • Ausatmen: Adho Mukha Svanasana / Herabschauender Hund
    • Einatmen: nach vorn schreiten oder springen
    • Ausatmen: Uttanasana / Vorbeuge im Stehen
    • Einatmen: Urdhva Hastasana / Arme weit nach oben
    • Ausatmen: Namaskarasana in Tadasana / Berghaltung mit Gebetshänden vor der Brust
    • … (gern 5 – 10 Wiederholungen)

Darauf folgt ein erdender Teil von Stehhaltungen, der den Körper stabilisiert, kräftigt, dehnt und ins Gleichgewicht bringt und vor allem das Vata-Dosha beruhigt. Wenn wir die Asanas etwa eine Minute pro Seite halten, arbeiten wir zudem an unserer Ausdauer, was ebenfalls einem hyperaktiven Vata zugute kommt.

  • Trikonasana / das Dreieck
  • Virabhadrasana II / Krieger II
  • Parsvakonasana / der seitliche Winkel
  • Ardha Chandrasana / der Halbmond
  • Prasarita Padottanasana / Vorbeuge in der großen Grätsche

Drehhaltungen lösen Verspannungen, bauen überschüssiges Pitta ab und machen flexibel. Da der Körper nun allmählich zur Ruhe kommen soll, können auch die folgenden Asanas gern länger gehalten werden.

  • Dandasana / aufrecht sitzen, Beine nach vorn gestreckt
    • Parsva Dandasana / Drehung im Sitzen
    • Marichyasana I / je 1 Bein aufgestellt, Drehung zur offenen Seite
    • Marichyasana III / je 1 Bein aufgestellt, Drehung zur geschlossenen Seite

Und jetzt schließt sich der Kreis:

  • Swastikasana / Schneidersitz
    • Parsva Swastikasana / Drehung im Schneidersitz

Besonders die folgende Vorbeuge sollte lange gehalten werden. Vorbeugen sprechen das parasympathische Nervensystem an und helfen somit, den Körper in den Entspannungsmodus zu bringen.

  • Adho Mukha Swastikasana / Vorwärtsstreckung im Schneidersitz
  • Supta Swastikasana / im Schneidersitz auf den Rücken legen
  • Savasana / Endentspannung

Viel Spaß beim Üben!

Ist alles verständlich? Habt Ihr es ausprobiert? Fragen? Anregungen? Lasst es mich wissen, wenn Ihr etwas genauer wissen wollt.

Eure Nici



UNSERE SCHÜLER

Tinas Challenge – Uttanasana (die Bilanz)

Ist eine Yoga-Challenge ein Widerspruch in sich? Trage ich zur Versportlichung des Yoga bei, wenn ich eine Challenge unterstütze? Ist das dann noch Yoga?

„Yogas citta vritti nirodhah“ – das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen in unserem Geist ist das Ziel des Yoga. So heißt es in den Yoga-Sutras des Patanjali. Yoga soll also den Affen im Kopf besänftigen. Tina hatte ein anderes Ziel.

Uttanasana, die stehende Vorbeuge

Sie hat sich Anfang 2018 vorgenommen, mit den Händen zu den Füßen zu kommen. Tina wollte endlich die stehende Vorwärtsbeuge – Uttanasana – packen, und ich habe sie das ganze letzte Jahr dabei begleitet (siehe auch http://nicitannert.de/tinas-challenge-uttanasana/ und http://nicitannert.de/tinas-challenge-uttanasana-2-teil/). Flexibler werden zu wollen ist natürlich ein vordergründig körperliches Anliegen. Aber warum üben wir denn überhaupt so viele Asanas, wenn es doch eigentlich um den Geist geht?

Weil es noch viel schwerer ist, den Geist zur Ruhe zu bringen, wenn es im Körper spannt und zwickt. Weil Verspannungen, Steifheit oder Schmerzen uns irritieren, beschränken und ablenken. Weil wir es sonst gar nicht lang genug in einem statischen Meditationssitz aushalten, um den Blick wirklich nach innen zu richten. Das weiß Tina aus Erfahrung. Sie hat es probiert.

Die Asana-Praxis kommt auf dem Achtstufigen Yogapfad (Ashtanga Pada) lange vor der Meditation. Sie „reinigt den Körper, führt zu guter Gesundheit, Ruhe und Festigkeit“, steht in der Hatha Yoga Pradipika, einer der bekanntesten klassischen Yogaschriften aus dem 14. Jahrhundert. Von einer persönlichen Challenge ist darin nicht die Rede. Aber warum sollte man sich bei der Yogapraxis keine Ziele setzen können, solange man achtsam übt? Sich einer Herausforderung zu stellen, kann den inneren Schweinehund besiegen und für Disziplin und Regelmäßigkeit sorgen. Das wiederum lässt die Übungspraxis zu einer Gewohnheit werden, die man vielleicht bald nicht mehr missen möchte und die einen letztendlich stark, gesund und beweglich hält. Bis ins hohe Alter, wenn man in der Regel mehr Zeit hat, um nach innen zu schauen, als in jüngeren Jahren.

Tina hat sich jedenfalls ein Jahr lang fast täglich an der Vorwärtsbeuge in all ihren Variationen sowie vielen vorbereitenden Asanas geübt. „Es war eine lange Reise, mit allen Höhen und Tiefen. Auch in Bezug auf die Motivation“, resümiert sie heute. „Ich hatte immer mal wieder Formkrisen, Frust oder einfach keinen Bock auf das Dehnungsziehen beim Üben.“ Hinzu kam die Herausforderung, mit einem immer munterer werdenden Kleinkind an der Seite Zeit zum Üben zu finden und auch dann zu praktizieren, wenn man eigentlich gerade ganz andere Sorgen hat. Aber Tina ist am Ball geblieben. Und es hat sich gelohnt.

Paschimottanasana, die „Dehnung der Westseite“ im Sitzen
Prasarita Padottanasana – auch in der Grätsche kommt Tina jetzt besser runter

„Mein Körpergefühl und Körperbewusstsein haben sich EXTREM verbessert.“ Tina hat zwei unterschiedliche Körperhälften. Wie wir alle. Wer ist schon symmetrisch? „Bei mir steht das rechte Schulterblatt etwas höher. Das beeinflusst natürlich meine Haltung und bringt auch ein paar Probleme mit sich. Aber ich habe jetzt ein besseres Gefühl für diese Unterschiedlichkeit der Seiten und kann nun mit meiner Osteopathin daran arbeiten. Mein Verständnis für die Ausrichung in den Yogahaltungen ist größer geworden und ich habe einen Bezug zu meiner steifen Brustwirbelsäule gefunden.“ Dadurch fallen ihr heute Asanas wie Parivrtta Trikonasana, das Gedrehte Dreieck, deutlich leichter als noch vor ein paar Monaten.

Die Zeit, die sie in Dehnungshaltungen investiert hat, zahlt sich für Tina aus. „Die Flexibilität, die ich mir erarbeitet habe, hält auch eine Weile an. Selbst wenn ich nicht jeden Tag übe. Bei den Haltungen, die mehr Kraft erfordern – wie Chaturanga – ist das anders. Die Kraft ist schneller wieder weg, wenn man nichts mehr macht.“

Tina hat auch zu Hause fleißig geübt

Die neue Beweglichkeit macht die Übungspraxis für Tina schöner. Sie kann nun geschmeidig durch Vinyasas fließen und braucht für ihre normale Yogasession keine Hilfsmittel mehr. Mit der Kraft und dem neuen Körpergefühl kommt auch die Lust auf Asanas, die sie früher konsequent gemieden hat, wie den Kopfstand. Sie hat mehr Durchhaltevermögen und wirkt gelöster in den Yogastunden. „Ich bleibe auf jeden Fall dran. Das will ich nicht wieder verlieren“, betont sie.

Die meisten finden den Weg ins Yogastudio über den Körper. Sie kommen, wenn sich die ersten körperlichen Probleme einstellen, und erhoffen sich durch den Yoga Linderung. Oder sie kommen, weil es grad im Trend liegt oder weil sie die Yogaposen in den Sozialen Medien cool finden. Viele – wie auch Tina – möchten früher oder später mehr über den Yoga erfahren und beginnen sich dann auch für die Historie und die Philosophie dahinter zu interessieren. Anderen reicht der körperliche Aspekt. – So what? Wenn Yoga „nur“ dazu beiträgt, dass sich so viele Menschen wie möglich mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit bewusst auseinandersetzen, dann ist doch schon ganz viel gewonnen.

Yoga ist kein Wettbewerb, aber eine persönliche Challenge allemal.

Mehr Kraft – mehr Mut

Eure Nici



ASANA-PRAXIS

Nach der Indienreise – neue Impulse

Die intensive 5-wöchige Übungszeit am Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute in Pune, Indien, hat Spuren hinterlassen. Ich habe mich nicht nur weitergebildet, sondern auch weiterentwickelt. Das wirkt sich sowohl auf meine eigene Yogapraxis wie auch auf meinen Unterricht aus – und hat den einen oder anderen meiner Schüler sicher überrascht…

Das Chanten

Wer bislang nur deshalb in meine Yogastunden gekommen ist, weil ich keine Mantren (nicht mal das OM) singe, hat leider Pech gehabt. Jetzt chante ich am Anfang jeder Iyengar Yogastunde das Loblied an Patanjali und das Guru-Mantra.

Warum erst jetzt?

Manchmal muss man erst hineinwachsen. Ich kann die Verse seit langem in- und auswendig. Wir haben sie bei der Ausbildung regelmäßig gesungen, wir chanten sie bei jeder Fortbildung oder Convention. Es ist wunderschön, wenn viele Menschen gemeinsam ein Mantra singen. Es ist etwas anderes, alleine vorzusingen. Das hab ich bislang einfach nicht geschafft. Ich fand es nicht authentisch und wollte nicht nur singen, weil es alle so machen. Das war nicht ich. Da es trotzdem am Beginn einer Yogasession ein Einstiegsritual gebraucht hat, um den Alltag hinter sich lassen und den Schalter im Kopf auf Yoga umstellen zu können, hab ich bislang die Konzentration auf den Atem lenken lassen.

Doch in Indien haben wir diese Verse vor jeder Yogastunde gesungen, also meist zweimal am Tag. Und je öfter wir gesungen haben, desto mehr wollte ich das beibehalten. Es sind Verse, mit denen ich mich identifizieren kann. Sie haben etwas Erhebendes, aber ohne Götterverherrlichung, mit der ich mich schwertue. Deshalb singe ich jetzt die Invocation und ich würde mich freuen, wenn meine Schüler mit der Zeit einstimmen. Aber das ist allein ihre Entscheidung.

Was singen wir denn da genau?

Patanjali war ein indischer Gelehrter, der vor ca. 2000 Jahren gelebt haben soll und als Verfasser des Yogasutra gilt. In diesem Werk wird in 195 Sanskrit-Versen alles Wissen über den Yoga aus den alten vedischen Schriften zu einem Leitfaden zusammengefasst, der heute noch die Grundlage unserer Praxis ist. Das Loblied beschreibt recht sachlich Patanjali und seine Leistung: Er gilt als Inkarnation der Schlange Adishesha, weshalb er mit einem Schlangenschwanz als Unterkörper dargestellt wird und sich 1000 Kobra-Köpfe über seinem menschlichen Haupt auffächern. Er soll dreimal geboren worden sein und jedes Mal eine große Leistung für die Menschheit hinterlassen haben: Er gab uns den Yoga, um den Geist zu reinigen und das Bewusstsein zu klären. Er gab uns den Ayurveda, um durch diese Heilkunst die Unreinheiten des Körpers zu beseitigen, die uns krank machen. Und er gab uns die Grammatik, damit wir uns mit klaren, reinen und eindeutigen Worten ausdrücken können.

Das sind die Zeilen, die Patanjali gewidmet sind:

Yogena Cittasya Padena Vacam

Malam Sarirasya Ca Vaidyakena

Yopakarottam Pravaram Muninam

Patanjalim Pranjalir Anato’smi

Abahu Purusakaram

Sankha Carkrasi Dharinam

Sahasra Sirasam Svetam

Pranamami Patanjalim

Das Guru-Mantra widerum ist nach meinem pragmatischen Verständnis eine Ode an das lebenslange Lernen. Ein Guru ist ein (spiritueller) Lehrer. „Gu“ bedeutet „Dunkelheit/Finsternis“, „ru“ heißt „Licht“. Ein Guru ist also jemand, der Licht ins Dunkel bringt, aufklärt oder Unwissenheit beseitigt. Das Mantra besagt, unser Entstehen ist Guru, das Leben selbst ist Guru, aber auch Schicksalsschläge, Krankheiten und Tod – also die Zerstörung, aus der wieder etwas Neues entstehen kann – sind Guru. Wir selbst sind Guru, alles um uns herum ist Guru.

Wenn wir meinen, schon alles zu wissen, können wir uns nicht weiterentwickeln. Arroganz und Ignoranz, unser Ego, halten uns in der Dunkelheit. Aber wenn wir bereit sind, uns für neues Wissen zu öffnen, dann erdet uns das und erhellt gleichzeitig unseren Horizont. Yoga braucht Hingabe, Disziplin und ein gewisses Maß an Demut. Und so wurde die Wissenschaft und Weisheit, die Philosophie und die Bewegungslehre des Yoga jahrtausendelang von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Für mich ist das Guru-Mantra damit auch eine Ode an alle Lehrer, die den Yoga im Laufe der Zeit zu uns gebracht haben. Das ist der Text:

Guru Brahmā Gurur Vishnur

Guru Devo Maheshvarah

Guru Sākshāt Param Brahma

Tasmai Śrī Gurave Namah

Mantren gehören auch im Ayurveda zum Reinigungs- und Heilungsprozess.

Menstruationspraxis

Yoga während der Menstruation tut gut, aber in dieser Zeit sollte frau anders üben. Das weiß ich, hab es auch immer mal wieder erwähnt und sogar Workshops dazu gehalten, in den laufenden Klassen aber eher ignoriert. Nach dem Aufenthalt bei den Iyengars in Pune, die das Thema sehr ernst nehmen, hab ich das jetzt geändert. Auch, weil ich mich immer mehr in den Ayurveda vertiefe.

Warum erst jetzt?

Ich unterrichte neben Iyengar Yoga auch Aerial Yoga. Bei den Yogahaltungen im und mit dem Tuch spielen Umkehrungen eine große Rolle – und die sind bei der Periode ungeeignet. Ich wollte nicht mit zweierlei Maß messen und in den Iyengar Yogakursen auf etwas bestehen, was ich beim Aerial Yoga völlig außen vor lasse. Deshalb hab ich die besondere Menstruationspraxis kaum betont. Aber es war für mich bis jetzt ein stilles Dilemma. Nun drehe ich den Spieß um: Sowohl beim Iyengar Yoga als auch beim Aerial Yoga gibt es in meinem Unterricht alternative Haltungen während der Periode. Denn auch für das Tuch gibt es sehr schöne und entspannende Übungen, die Ihr stattdessen einnehmen könnt.

Wie sollte ich während der Menstruation Yoga üben?

Es gibt Asanas, die den Energiefluss während der Periode positiv beeinflussen, und welche, die den Energiefluss irritieren können. Frauen sollten in dieser sensiblen Zeit ruhiger üben und auf Umkehrhaltungen, intensive Drehungen und Bauchhaltungen verzichten. Alles, was den Bauch quetscht und die Bauchmuskeln verhärtet, ist ungeeignet. Die Bauchorgane brauchen Raum, der untere Rücken sollte entspannen können und der Brustkorb geöffnet werden, um frische Energie zu tanken. Es gibt beim Iyengar Yoga ganze Menstruationssequenzen, die frau parallel zur Unterrichtsstunde üben kann. Oder sie übt ganz normal im Unterricht mit und ich bringe sie bei unpassenden Asanas jeweils in eine alternative Haltung.

Beim Ashtanga Yoga wird die Menstruationszeit übrigens sehr viel cooler als „Lady’s Holidays“ bezeichnet. So nenne ich das jetzt auch. Während Lady’s Holidays gönnen wir uns etwas Ruhe. Das ist doch schön.

Freies Üben

Was mir am Yoga-Institut in Pune mit am besten gefallen hat, war die Zeit, die uns für die eigene Yogapraxis eingeräumt wurde. In der großen Yogahalle, oft gemeinsam mit unseren Lehrern, aber ohne Anleitung. So haben wir täglich mehrere Stunden für uns selbst geübt. Das war jedes Mal eine sehr inspirierende und konzentrierte Atmosphäre, die ich gern auch für mein eigenes Studio herstellen möchte. Deshalb steht ab sofort von Montag bis Donnerstag „Freies Üben“ im YogaKraftwerk-Wochenplan. In dieser Zeit übe ich selbst. Für 5€/Besuch kann mir dabei jeder Gesellschaft leisten und dabei alle Hilfsmittel und Gerätschaften nutzen, die er braucht. Einzige Voraussetzung: Wer beim Freien Üben mitmachen will, sollte auch regelmäßig in unsere Kurse kommen. Da lernt Ihr, mit den Hilfsmitteln umzugehen.

Warum erst jetzt?

Schon bei der Eröffnung des YogaKraftwerks hab ich mir vorgestellt, früher oder später vielleicht mit anderen Yogalehrern aus der Umgebung gemeinsam zu üben. Damals bin ich noch nicht auf die Idee gekommen, das selbstständige Üben für alle zu öffnen. Das ist jetzt über 3 Jahre her. Manche meiner Schüler kommen schon seit der Eröffnung regelmäßig in die Kurse, einige mehrmals die Woche. Es haben sich richtige Yoga-Enthusiasten entwickelt: offen, wissbegierig, diszipliniert. Sie haben eine eigene Home Practice begonnen und die ersten Hürden (Was soll ich denn alleine üben?…) überwunden. Das Freie Üben in Indien hat mich inspiriert und ich glaube, jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, damit im YogaKraftwerk anzufangen. Heute hatte ich bereits Gesellschaft bei meiner Asana-Praxis – und es war toll.

Was machen wir da genau?

Ich für mich habe festgestellt, dass ich besser, konzentrierter, intensiver und kreativer übe, wenn ich nicht alleine bin. Beim selbstständigen Üben kann man Asanas oder ganze Ausschnitte aus dem Unterricht wiederholen und somit besser verinnerlichen. Man kann an seinen „Defiziten“ arbeiten: steife Hüften, Beinstreckung, Nackenverspannungen, Armbalancen,…  Also einen Schwerpunkt setzen und Haltungen üben, die dazu passen. Oder man übt eine fertige Sequenz, je nach Bedürfnis. Ich habe hier genug Beispielsequenzen vorrätig und auch viel Yogaliteratur mit empfohlenen und erprobten Abfolgen, die ich Euch gern für diese Zeit zur Verfügung stelle. Ashtanga Yogis können ihre erste Serie praktizieren. Manche üben vielleicht regenerativ, andere Sonnengrüße. Das ist ja das Schöne daran: jeder macht etwas anderes, aber alle üben. Ähnlich wie die Mysore-Praxis beim Ashtanga Yoga. Jeder ist auf sich konzentriert, aber man kann sich auch mal gegenseitig in eine Haltung helfen. Wir sind alles Übende. Was haltet Ihr davon?

Namaste!

Eure Nici

 

 

 

YOGA-REISE

5 Wochen Indien – unser Alltag

Wir wissen inzwischen, wie wir die indischen Händler zum Lachen bringen können: Wir brauchen nur nach Postkarten von Pune zu fragen – immerhin eine der größten Städte Indiens. 4 Wochen lang haben wir vergeblich versucht, welche aufzutreiben. Die Reaktion der Verkäufer war immer die gleiche: erst waren sie erstaunt über die Frage, dann skeptisch, weil sie dachten, wir wollen sie verscheißern, und dann haben sie sich herzlich amüsiert. Postkarten von Pune! Wer will denn sowas? In 2 Geschäften gab es immerhin Postkarten von Mumbai, das ist 150 km entfernt. Aber wir wollten ja keine Wahrzeichen einer Stadt verschicken, die wir gar nicht besucht haben. Inzwischen haben wir aufgegeben und kaufen lieber Sachen, die hier leichter zu haben sind: T-Shirts, Pluderhosen, Röcke, Tücher, Schmuck. Alles sehr günstig. Ein Traum. Wenn man sich gern ins Getümmel stürzt.

In Indien ist die durchschnittliche Bevölkerungsdichte mit 407 Einwohnern/Quadratkilometer fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Allein in Pune leben 3 Millionen Menschen – und sie sind alle draußen. Das Leben spielt sich auf der Straße ab. Es wimmelt nur so von Frauen in wunderschönen bunten Saris und wild gemusterten Kurtas über knalligen Leggings, die einkaufen oder die Straße fegen. Und Männern, die Obst- und Gemüsekarren durch die Gegend ziehen oder ihr Handwerk direkt auf dem Fußweg betreiben. Jeden Tag steigen wir an einer Straßenecke über einen Schuster, der dort im halben Lotossitz auf dem Boden hockt und die Schuhe flickt. Wenn es regnet, stellt er eine Plane über sich auf. Er ist die Ruhe selbst.

In den Einkaufsstraßen ist noch viel mehr los. Menschenmassen drängen durch die engen Gassen, die vielen kleinen Straßenstände und Geschäfte links und rechts quellen regelrecht über vor Stoffen, Kleidern und Geschirr. Wunderschöne oder auch kitschige traditionelle Gewänder neben westlichem Ramsch. Wenn wir einen bestimmten Wunsch haben und das Gesuchte nicht finden, bringen uns die Verkäufer durch das Straßenlabyrinth ein paar Ecken weiter in das Geschäft ihres Onkels, Vaters, Bruders oder schicken einen Laufburschen los, der die Ware irgendwoher zaubert. Es ist ein Fest für die Sinne: die faszinierenden Farben und Muster, die weichen oder rauen Stoffe, die Marktschreier und der nahe Verkehrslärm, Abgase und Räucherstäbchen, Müll und duftende Ringelblumenblüten, scharfe und süße Leckereien.

Ich habe in meinem Koffer genug Platz für die Einkäufe, denn ich bin davon ausgegangen, dass es in der privaten Wohnung, die wir angemietet haben, eine Waschmaschine gibt. Deshalb hab ich mich beim Kofferpacken vor der Reise sehr zurückgehalten. Wir haben tatsächlich eine Waschmaschine in der Wohnung, aber sie ist kaputt. Der Mechaniker war schon 4 mal hier, kriegt sie aber nicht zum Laufen. Wir waschen also die kleinen Sachen mit der Hand und bringen die größeren ins Hotel um die Ecke, wo sie für wenig Geld in 2 Tagen gereinigt und gebügelt werden. Auch okay.

In den fast 5 Wochen in Indien haben wir einen Tagesrhythmus entwickelt, der sich am Stundenplan vom Yoga Institut orientiert. Manchmal raffen wir uns auf, um sehr früh dort zu sein und die Klasse von Iyengars Sohn Prashant von 7 bis 9 Uhr zu besuchen. Unser Weg zum Institut führt durch einen hübschen Park, der schon am Morgen voller Leben ist. Es gibt einen Bereich mit Sportgeräten, der gern benutzt wird. Manch einer meditiert auf einer der Bänke. Andere machen Gymnastik. Es gibt Jogger und Walker wie bei uns. Aber die Menschen, die hier unterwegs sind, sind viel bunter gemischt: Hier findet sich jede Alters- und Gewichtsklasse zusammen, um sich gemeinsam oder zumindest unter anderen Leuten an der frischen Luft zu bewegen. Die wenigsten haben dafür richtige Sport- oder Funktionskleidung an. Und es wirkt auch nicht so angestrengt.

Prashant ist der Philosoph unter den Iyengars. Sein Unterricht ist geprägt davon, uns Schüler jeweils 10 bis 15 Minuten in einer Haltung verweilen zu lassen, während er über ein bestimmtes Thema sinniert. Dann wechseln wir die Haltung und er gibt weiter weise Worte von sich. Das ist eine sehr interessante Erfahrung und ich hätte seine Stunden gerne öfter besucht, wenn sie nicht schon so früh am Morgen wären. Um ehrlich zu sein, trudeln wir meist erst gegen 10 Uhr zum freien Üben am Institut ein.

Nach der Asanapraxis gehen wir einen Kaffee trinken und werten die Stunde aus. Wir haben inzwischen eines der Straßencafés zu unserem Lieblingslokal erkoren. Der indische Kaffee in dieser Region ist süß und mit Milch und besteht zu 60% aus Zichorie. Ich möchte ihn gar nicht mehr anders trinken.

Danach gehen wir in unsere Wohnung, denn dort erwartet uns unser Mittagessen. Wir haben auf Empfehlung unserer Vermieterin deren Putzfrau Latika als Köchin angeheuert. Das war eine gute Entscheidung, weil wir dadurch wahrscheinlich sehr viel regelmäßiger und gesünder essen, als wenn wir uns allein verpflegen müssten. Die hiesige Küche entspricht im Wesentlichen der ayurvedischen. Von montags bis freitags kocht Latika Suppe, Reis, Gemüse und Fladenbrot. Suppe und Gemüse variieren dabei täglich. Es ist super lecker und reicht meist auch noch abends. Wir zahlen Latika dafür jeweils 2000 Rupien für den gesamten Monat. Das sind nicht mal 25 Euro. Plus die Einkäufe der Lebensmittel, was noch weniger ist. Am Wochenende gehen wir essen und freuen uns dann auch über die Abwechslung, denn es gibt noch viele andere tolle indische Gerichte.

Der Nachmittag ist eher ruhig, wenn wir nicht gerade irgendetwas besorgen müssen. Wir notieren uns die Übungsstunden, lesen, schlafen – oder bloggen…

Ab 16 Uhr geht der Betrieb am Yoga Institut weiter. Besonders in den ersten 2 bis 3 Wochen habe ich mir um diese Zeit meist eine Anfängerstunde angesehen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie hier Yoganeulinge unterrichtet werden. In diesen Stunden sitzen die Ausländer höchstens wie ich im Hintergrund und beobachten. Die Teilnehmer sind ausschließlich Inder. Der Unterricht wird trotzdem größtenteils auf Englisch gehalten. Ab und zu schwingt ein bisschen Marathi mit rein, meist wenn es emotionaler wird. Spätestens hier wird klar, warum die Lehrer am Institut so streng sind. Sie müssen einen harten Ton anschlagen, um ihre Schüler zu disziplinieren. Fast die Hälfte kommt chronisch zu spät. Manchmal bis zu 30 Minuten bei einer einstündigen Anfängerklasse. Die Inder sind halt etwas gelassener.

Noch etwas anderes ist auffällig: Die indischen Yogaschüler – auch die absoluten Anfänger – sind alle von Haus aus viel beweglicher als wir Europäer. In einer Beginner’s Class bringen alle Teilnehmer in der Vorwärtsbeuge bei gestreckten Beinen mindestens die Fingerspitzen zum Boden. Sie haben meines Erachtens weniger Rückenprobleme und sind auch deutlich agiler in den Hüften. Vielleicht weil sie nicht so viel auf Stühlen herumsitzen wie wir. Vieles passiert im Hocken (u.a. den Boden wischen, der Toilettengang – funktioniert auch viel besser: stellt Euch doch mal einen Hocker vors Klo für die Füße, Ihr werdet ihn bald nicht mehr missen wollen). Zu Hause sitzen die Menschen oft auf dem Boden. Selbst wenn sie irgendwo erhöht sitzen, haben sie die Beine meist im Schneidersitz angezogen. Steife Hüften sind hier eine absolute Ausnahme und auch dann weit von dem entfernt, was wir unter steif verstehen.

Am Abend sind die Kurse für die Fortgeschrittenen, die meist sehr voll sind und von einheimischen und ausländischen Schülern gleichermaßen besucht werden. Der Unterricht ist abwechslungsreich und herausfordernd, wir sind oft klatschnass geschwitzt. Freitags findet eine reine Pranayama-Klasse für Fortgeschrittene statt, die von Gurujis Enkelin Abhijata unterrichtet wird. Danach ist der Kopf wie in Watte gepackt.

Wenn wir wieder zu unserer Wohnung laufen, ist es dunkel. Ich hatte hier nicht ein einziges Mal das Gefühl, in Gefahr zu sein – auch nicht, wenn ich allein unterwegs war. Das mag allerdings auch an der Gegend liegen. Die Gefahr besteht eher darin, auszurutschen und in den Dreck oder einen Scheißhaufen zu fallen. Wenn es regnet, läuft es sich auf dem Gehweg wie auf Glatteis. Der Staub, der die Gehwegplatten bedeckt, und die Erde, die neben dem Bordstein regelmäßig von wilden Schweinen durchwühlt wird, verkleben zu einer schmierigen Schicht. Auch wenn wir trotz Monsunzeit richtig heftigen Regen nur selten erlebt haben. Während unserer Wochen hier fühlte sich der Regen eher an, als käme er aus einer Sprayflasche. Pune gilt als vergleichsweise saubere Stadt. Das versteht aber nur, wer auch mal außerhalb von Pune unterwegs war. Das feuchtwarme Klima ist gut für Haut, Haare und Nägel, wie wir am eigenen Leib erfahren konnten, sorgt aber auch überall für Rost, Schimmel und aufgequollenes Holz, von dem die Farbe blättert. Dadurch wirkt immer alles ein bisschen fertig.

5 Wochen Indien sind erstmal genug. Ich freue mich jetzt wieder auf zu Hause, auf Familie und Freunde, auf die Sauberkeit dort, die Ruhe, mein YogaKraftwerk, meine Schüler. Darauf, das alles weitergeben zu können, was ich hier gelernt und vertieft habe.

Und ich werde einiges vermissen: den Kaffee, das Essen, die motorisierten Rikschas, die Gelassenheit im wilden Straßenverkehr, die Freundlichkeit der Inder, das pulsierende bunte Treiben auf den Straßen – und natürlich das Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute, wegen dem es mich hierher verschlagen hat. Sicher nicht zum letzten Mal.

Eure Nici

YOGA-REISE

5 Wochen Indien – Guruji

Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr am Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute (RIMYI) in Pune. BKS Iyengar wäre am 14. Dezember 100 Jahre alt geworden. Die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten laufen schon seit Monaten. Es wird ein Film zusammengeschnitten, für den Yogalehrer aus der ganzen Welt ihre Erinnerungen an Guruji teilen. Schon jetzt wird aller paar Wochen ein Theaterstück aufgeführt, das seinen Lebensweg darstellt, produziert von seinem Sohn Prashant… Im Dezember werde ich längst nicht mehr in Pune sein, aber ich habe vor ein paar Tagen miterleben können, wie Iyengars 4. Todestag begangen wurde. Und das hat mich sehr berührt:

An diesem Tag fallen die Abendkurse am RIMYI aus. Stattdessen haben wir uns alle hübsch gemacht und in der großen Yogahalle versammelt, um BKS Iyengar zu gedenken. Es werden 5 Personen auf das Podest gebeten, die aus dem Nähkästchen plaudern und von ihrer Zeit mit Guruji erzählen sollen – und damit jeweils ein Jahrzehnt mit ihm repräsentieren.

Die älteste von ihnen, Navaz Kamdin, lernte Iyengar in den 60er Jahren kennen, weil ihr Vater Rückenprobleme hatte und ihm Yoga empfohlen wurde. Iyengars Yoga. Er nahm seine Töchter mit. Navaz’ Augen strahlen, wenn sie an die Zeit zurückdenkt, als die Klassen noch ganz klein waren. Das Verhältnis zur Familie Iyengar war eng und herzlich. Das Institut mit den tollen Übungsräumen gab es damals noch nicht. Ebensowenig wie die vielen Hilfsmittel, die heute ganz selbstverständlich die Asanapraxis unterstützen. „Wir hatten ein paar Decken, mehr nicht“, berichtet Navaz. Sie schwärmt von Iyengars Präsenz, seiner Ausstrahlung und seinem großen Talent als Lehrer. Alle, die ihm noch persönlich begegnet sind, stimmen ihr leidenschaftlich zu.

„Er hat zum Beispiel eine Yogaklasse unterrichtet und gleichzeitig im Hintergrund die körperlichen Beschwerden einer älteren Frau gelindert“, erinnert sich Birjoo Mehta, der die 70er Jahre repräsentiert. „Guruji hat uns angeleitet, gleichzeitig demonstriert und uns alle mit schnellen, präzisen Griffen in die jeweilige Haltung gebracht. Es war eine intensive und konzentrierte Praxis, bei der wir nur immer mal durch das laute Stöhnen der Frau im Hintergrund abgelenkt wurden. Er war ein begnadeter Lehrer.“ Schüler mit gesundheitlichen Problemen lagen ihm immer besonders am Herzen. Er hat noch mit über 90 seine berühmte Medical Class selbst unterrichtet. Denn er wusste ganz genau, was Yoga kann. Er hat es am eigenen Leib erlebt:

Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar wurde 1918 im südindischen Bellur mitten in eine Grippe-Epidemie hineingeboren. Er war ein sehr kränkliches Kind unter vielen Geschwistern, erlitt unter anderem Malaria, Typhus und Tuberkulose. Seine Familie gehört den Brahmanen an, der höchsten Kaste, die der Gelehrten und Priester. Aber die Iyengars waren verarmt. Der Vater starb früh.

Mit 16 Jahren kam BKS Iyengar in die Obhut seines Schwagers Krishnamacharya, der später als „Vater des modernen Yoga“ in die Geschichte einging. Krishnamacharya unterrichtete zu dieser Zeit in Mysore am Palast des Maharadscha. Er war ein sehr kluger, aber auch strenger Lehrer. Iyengar hat unter seinen Fittichen einiges erleiden müssen, aber es ging ihm durch die Asanapraxis gesundheitlich bald sehr viel besser. Es gibt Videos von 1938, die Iyengar und Krishnamacharya beim Üben zeigen. Nach der harten Lehrzeit bei seinem Schwager, ging Iyengar auf dessen Anraten als Yogalehrer nach Pune.

Krishnamacharya mag den Samen gesetzt haben, aber Iyengars immenses Wissen über Ausrichtung und Wirkung der Asanas stammt in erster Linie aus seinem intensiven Selbststudium. Sein Körper war sein Labor. In jahrzehntelanger täglicher stundenlanger Übungspraxis hat er experimentiert, in sich hinein gespürt, korrigiert, beobachtet.

„Er hat jeden Tag selbst geübt“, erzählt Zubin Zarthoshtimanesh, der auf der Feier am Todestag aus den 80er Jahren berichten soll und Iyengar oft auf Conventions in aller Welt begleitet hat. „Auch wenn es abends spät wurde, ist er um 4.30 Uhr aufgestanden, hat seinen Kaffee getrunken und dann selbst praktiziert, bevor er die anderen unterrichtet hat. Er hat sich selbst nie als Guru oder Lehrer gesehen, sondern immer als Übenden.“ Iyengars Vorbild war ansteckend für seine Schüler und Assistenten. „Wir sind auf den Conventions auch so früh aufgestanden, um zu üben, weil wir ihm in nichts nachstehen wollten“, ergänzt Birjoo, der selbst oft genug dabei war. „Es ging immer mit Pranayama (den Atemtechniken) los. Einmal habe ich sehr lange Pranayama geübt, im Liegen in Savasana. Etwa eineinhalb Stunden…“ Birjoo grinst verschämt. Er ist offenbar dabei eingeschlafen. „Als ich dann endlich fertig war und aufgestanden bin, hat mich Guruji zu sich gerufen. Er wollte etwas demonstrieren und ich sollte dafür ad hoc in Pincha Mayurasana (den Unterarmstand) kommen. Ich gehöre nicht gerade zu den Flexibelsten, aber Guruji hat plötzlich meine Füße genommen und sie mir auf den Kopf gestellt. Das war das erste und das letzte Mal, dass ich in Vrschikasana (den Skorpion) gekommen bin. Er hat uns Sachen machen lassen, die wir selbst nie für möglich gehalten hätten. Und er wusste immer genau, wie er uns dabei greifen muss, damit wir uns nicht verletzen.“ Wieder nickt der ganze Saal oder wackelt mit dem Kopf, die zustimmende Geste der Inder.

 

Er hat in vielen Schülern das Selbstvertrauen aufgebaut und gestärkt. Er hat Mut in der Yogapraxis vermittelt, der einen auch aufrechter durchs Leben gehen lässt. Raya Uma Datta, der jüngste der 5 Repräsentanten, erinnert sich lachend, wie Guruji die Klasse in 2 Reihen aufgeteilt und im freien Kopfstand gegenüberstellt hat, so dass die Schüler mit dem Gesicht zueinander aufgebaut waren. „Dann ist er mit einem verschmitzten Grinsen durch die Reihen stolziert und hat plötzlich nach links und rechts ausgeholt und uns alle nach hinten umgestoßen, so dass wir völlig überraschend umgekippt und in Dwi Pada Viparita Dandasana gelandet sind. Es hat einen mächtigen Knall gegeben, als wir mit den Füßen aufschlugen, aber es hat sich niemand verletzt. Er wusste genau, was er tat. Er wollte uns die Angst nehmen, im Kopfstand umzufallen.“ Alle lachen im Saal, knuffen sich gegenseitig in die Rippen und tuscheln: „Typisch Iyengar…“, „Weißt Du noch, das hat er mit uns auch gemacht…“ Iyengar wusste, dass wir uns meist selbst ausbremsen, weil wir uns zu wenig zutrauen.

Er fand zielsicher immer den richtigen Muskel oder Knochen, der bewegt werden musste, um besser und tiefer in eine Haltung zu kommen. Seine Hilfestellungen waren nie missverständlich. Ihm wurde – im Gegensatz zu einigen anderen Yogagrößen – nie nachgesagt, dass er eine Schülerin unsittlich berührt haben soll. Es gibt keine Skandale im Leben von BKS Iyengar, obwohl er sicher die Gelegenheit gehabt hätte. Guruji soll mal gesagt haben, er sei froh über seine buschigen Augenbrauen, die hielten die Frauen auf Abstand. Er wurde mit Mitte 20 mit der 16-jährigen Ramamani verheiratet. Es war eine arrangierte, aber dennoch glückliche Ehe, aus der 6 Kinder hervorgingen. 1973 starb Ramamani mit nur 46 Jahren. Das Yoga-Institut, das 2 Jahre später eröffnet wurde, ist nach ihr benannt.

Manchmal stehen den Erzählenden und auch Iyengars Tochter Geeta, die neben dem Podest sitzt, die Tränen in den Augen bei der Erinnerung. Auch mir schnürt sich immer mal die Kehle zusammen, wenn ich höre, mit wieviel Liebe sie von Guruji erzählen. Er hat sein Leben dem Yoga gewidmet, ihn erforscht und weiterentwickelt und sehr zu seiner weltweiten Verbreitung beigetragen. Iyengar Yoga wird heute in mehr als 70 Ländern von etwa 2 Millionen Menschen praktiziert. Iyengars Sohn Prashant ermahnt uns, dass auch wir den Yoga ernsthaft studieren sollen, um Iyengar Yoga wahrhaftig zu üben. Anderenfalls seien wir nur Iyengar Yoga Followers.

Niemand maßt sich an, sich mit Guruji zu vergleichen. Wir würden ja doch daran scheitern, wie Rayas Geschichte zeigt: Der 39-jährige kam als Kind ins RIMYI und ist heute selbst ein großartiger Lehrer am Institut. „Ihr wisst, dass ich manchmal ein bisschen zur Arroganz neige“, meint er kokett. „Und so habe ich mir eines Tages vorgenommen, mal genauso intensiv zu üben wie Guruji. Genauso lang in jeder Haltung drin zu bleiben wie er.“ Iyengar übte an diesem Tag zuerst Dwi Pada Viparita Dandasana, mit dem Kopf am Boden und den Ellbogen in der Wand. Raya übte das Gleiche über dem Stuhl.

Auch intensiv, aber gestützt. Iyengar blieb 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten, 20 Minuten,… ohne sich zu rühren. Raya wollte mithalten. Irgendwann spürte er seine Arme nicht mehr. Schließlich kam Iyengar doch aus der Haltung. Raya triumphierte, weil er eine Minute länger ausgeharrt hatte. Aber nur kurz. Denn während Raya sich anschließend kaum noch bewegen konnte, sah der wesentlich ältere Iyengar erfrischt und rosig aus, wie das blühende Leben. Raya wirkte total verzweifelt – und Iyengar ging lachend an ihm vorbei aus dem Übungssaal. – Raya war zunächst enttäuscht, auch noch ausgelacht zu werden. Doch als er Iyengar später zufällig in der Bibliothek antraf, schenkte ihm dieser sein Buch „The Art of Yoga“. Mit einer Widmung. Raya wiederholt diese Widmung mehrfach und legt uns nahe, sie uns aufzuschreiben und immer wieder zu lesen, als ob sie auch uns persönlich gelten würde:

„Yoga is a difficult art to master, but not impossible. With love – BKS Iyengar“

„Schreibt es auf! ‚With love‘! Merkt es Euch!“, insistiert Raya. Und das hab ich auch gemacht.

Eure Nici

YOGA-REISE

5 Wochen Indien – das freie Üben

Samstags steht die große Übungshalle im Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute in Pune erst ab 16 Uhr für die eigene Yogapraxis zur Verfügung. Nach der langen Mittagspause ist es um diese Zeit noch recht ruhig im Gebäude und auf dem Gelände drumherum. Neben dem normalen Straßenlärm sind nur der Regen und ein Windspiel zu hören, das uns oft beim Üben begleitet.

Die ersten Yogalehrer, die für diesen Monat aus der ganzen Welt zusammengekommen sind, um mit und bei den Iyengars zu praktizieren und von ihnen zu lernen, tröpfeln in die Halle. Noch ist viel Platz. Sie streifen sich die langen Hosen oder Röcke ab. Die kurze Yogahose darunter kommt zum Vorschein. Wenn die überflüssige Kleidung und die Taschen auf den dafür vorgesehenen Gittern über uns verstaut sind, schnappen sie sich eine Matte und ein paar Hilfsmittel, suchen sich einen Platz in der Mitte der Halle oder bei den Wänden mit den Seilen und beginnen.

Es ist ein stilles Üben. Ich mag diese konzentrierte Stimmung, die den Raum erfüllt, sehr. Es ist ein ganz anderes Üben als zu Hause, wo ich meist ein Auge aufs Telefon habe oder wo der Paketbote plötzlich in der Tür stehen kann. Hier geht es nur um das gemeinsame eigene Praktizieren. Normalerweise bin ich mittendrin, heute sitze ich im Hintergrund in Upavistha Konasana auf dem Boden, gegen Holzbänke gelehnt, die als Hilfsmittel dienen, und mit einem Hocker vor mir zwischen den Beinen, auf dem das Tablet steht. Beobachte und beschreibe.

Der Raum liegt in einem angenehmen Halbdunkel. Manche beginnen ihre Praxis mit ein paar Minuten in Stille, die Augen zu, die Hände vor der Brust geschlossen. Ein Ritual, um die Konzentration auf das Üben zu richten und alles andere für diese Zeit außen vor zu lassen. Andere legen sich direkt in eine regenerative Haltung, routiniert unterstützt von diversen Decken und Bolstern. Es sieht total entspannt aus, aber ich weiß, dass auch sie ihre Zeit hier nutzen, um an ihren Defiziten zu arbeiten. Wer also für viele Minuten in Supta Baddha Konasana oder Supta Virasana ruht, möchte sehr wahrscheinlich seine Hüftöffnung verbessern bzw. die Dehnung der Oberschenkel-Vorderseiten und der Leisten. Wieder andere starten direkt mit einer intensiven, dynamischen Praxis.

Der Raum wird immer voller und jeder macht etwas anderes. Vor mir lehnt eine Polin mit dem Hintern an der Wand in einer kopfgestützten Vorbeuge. Daneben streckt ihre neue Freundin Arme und Beine im Herabschauenden Hund. Ein paar Meter entfernt liegt eine Chinesin in einer intensiven Rückbeuge über einem Stuhl. Schon seit mindestens 5 Minuten. Und neben ihr presst sich ein sehr tätowierter Yogi in ein hohes Rad. Ich glaub, das übt er gern. Ich seh ihn jedenfalls oft in anstrengenden Rückbeugen. Eine Inderin übt Drehhaltungen. Mein Lehrer und Ausbilder Michael Forbes aus München ist auch da. Er liegt gerade mit Beinen und Po auf dem Podest, während die Unterarme und die Schädelkrone in der Kopfstandhaltung am Boden ruhen. Eine ältere Frau hängt kopfüber in einem der Seile, die frei von der Decke baumeln. An der Wand übt eine Slowenin Handstand. Sie übt das Hochkommen, nicht das Obenbleiben. Mal mit dem rechten Bein, mal mit dem linken Bein. Hoch, runter, hoch, runter, rechts, links, links, rechts,…

Gesprochen wird kaum – höchstens leise, um sich gegenseitig in eine schwierigere Haltung zu helfen oder mit Hilfsmitteln zu beschweren, wenn es allein nicht möglich ist. Zu hören ist nur das Verschieben von Stühlen oder Hockern auf dem harten Boden. Oder das hemmungslose Stöhnen, wenn sich jemand in eine intensive Haltung drückt. Besonders laut ist dabei Abhijata Iyengar, Gurujis Enkelin, die oft mit uns in der freien Praxis für sich übt. Manchmal erinnern die Geräusche eher an Kreißsaal oder Swingerclub – genau wie die vielen verdrehten, gebogenen, durcheinander liegenden Leiber. Aber nur kurz…

16.45 Uhr. Für die Nachzügler ist es inzwischen schwer, einen Platz mit genug Raum für die Haltungen zu finden, die sie sich vorgenommen haben. Zum Teil liegt Matte an Matte. Es kann durchaus passieren, dass sich beim Üben plötzlich ein fremder Fuß von oben oder von der Seite vor die Nase schiebt. Überall liegen Decken, Bolster, Matten und Gurte.

Wenn ich zu Hause übe, habe ich oft fertige Sequenzen (aus „Licht auf Yoga“, meine Prüfungssequenzen, Inspirationen von anderen Lehrern, meine Übungsabfolge für den Unterricht der folgenden Woche,…) neben mir liegen. Hier übe ich anders. Ich überlege mir vor jeder Praxiseinheit 2 bis 3 Haltungen, die ich verbessern möchte und die ganz gut zusammenpassen, und arbeite dann mit vielen vorbereitenden Haltungen darauf hin. Spontan. Der Ablauf ergibt sich ganz organisch. Ich muss gar nicht darüber nachdenken, was ich als nächstes mache. Das ist eine tolle Erfahrung.

Es ist spannend, die anderen bei ihrer Asana-Praxis zu beobachten. Manche üben immer das Gleiche, um ihre „Problemzonen“, ihre Steifheit in bestimmten Bereichen, zu bearbeiten. Oder um eines ihrer Zimperlein selbst zu kurieren. Andere üben sehr fortgeschritten für den nächsthöheren Level. Viele wiederholen in der Zeit, die für die eigene Praxis zur Verfügung steht, interessante Abfolgen aus dem vorangegangenen Yogaunterricht. Zu recht. Ich habe bei diesen hochqualifizierten Lehrern hier am Institut schon einige Klassen mitmachen dürfen, die sich mir regelrecht ins Gedächtnis gebrannt haben, weil sie so besonders und intensiv waren. Und auch scheiße-anstrengend.

So unterschiedlich beim freien Üben auch praktiziert wird, die letzte halbe Stunde ist bei fast allen gleich oder zumindest sehr ähnlich: Genau wie im Unterricht wird gegen Ende der Praxis meist ein langer Kopfstand – mit oder ohne diversen Beinvariationen – und anschließend ein langer Schulterstand – ebenfalls mit oder ohne Variationen in der Haltung, mit 2 bis 3 Decken oder einem Bolster unter den Schultern, über dem Stuhl oder frei im Raum – geübt. Und fast alle ruhen am Ende noch ein paar Minuten in Savasana.

Ich habe heute nur zugeschaut, aber ich weiß, wie es den anderen jetzt geht: Nach 2 Stunden eigener Praxis fühle ich mich anders als nach dem Besuch einer angeleiteten Yogastunde. Oft mit einer größeren inneren Ruhe, die noch eine ganze Weile anhält. Das ist schön.

Eure Nici